Exzellent und mit viel Wortwitz

LÜDENSCHEID ▪ Keine Frage – die Vergabe der „Lüdenscheider Lüsterklemme 2011“ wird spannend. Jens Heinrich Claassen gastierte im Kulturhaus als letzter von fünf Kleinkünstlern, die miteinander im Wettstreit um den begehrten Kleinkunstpreis liegen. Was Claassen in der Garderobenhalle unter dem Titel „Unter die Haube“ darbot, war exzellent, wortwitzig und abwechslungsreich.

Liebenswürdig und etwas verwirrt wirkend betritt er die Bühne, mit Jeans und einem Bambi-T-Shirt bekleidet, schaut sich um, geht ein paar Schritte, schaut sich nochmals um, beugt sich vor und raunt ins Publikum „Die Braut kommt nicht“. Er blickt betrübt drein, hat gerade eine SMS bekommen, wie er sagt: „Es ist aus, ich komme nicht. LG, Katzenpfötchen“. Eine Dame aus dem Publikum bemerkt: „Na, in dem Aufzug ohne Frack!“ Die Dame heißt Manuela und muss im Laufe des Abends für so manchen komödiantischen Schmankerl herhalten. Und von diesen hat Claassen jede Menge mitgebracht. Er kommt vom ersten Augenblick, wo er die Bühne betritt, beim Publikum an. Er erzählt, setzt sich ans Klavier, singt von der Schwiegermutter, die morgens um 7 Uhr ins Schlafzimmer rauscht, singt von Spieleabenden mit Freunden und berichtet von seiner Ausbildung zum Servicekaufmann im Luftverkehr bei LTU Düsseldorf. Da hat er einen Fehler gemacht, wie er bekennt, zwei Minuten zu lange für das Verladen des Gepäcks ins Flugzeug gebraucht. „390 000 Euro Schaden – deshalb bin ich heute Abend hier“.

Eine wahre Geschichte, wie er sagt. Auch Medizin habe er studiert. Bis er in einer Anatomieprüfung die Gebärmutter mit der Harnblase verwechselte. „Dann musste ich aufhören“.

Er bleibt noch ein bisschen beim Thema Fliegen, singt Reinhard Meys „Über den Wolken“ als Parodie auf die schöne neue Welt mit Handys und Jambapaket und ein weiteres, indem er den Versprecher einer Stewardess nutzt, die versehentlich „Arsch“ statt „Arzt“ sagte. Er singt von Haut- und Fachärschen, das Publikum johlt vor Vergnügen, und Claassen bittet: „Verraten sie nicht meiner Mutter, dass ich so oft das böse Wort gesagt habe“. Als er den Herbert Grönemeyer gibt in einem Lied über den Autohersteller Opel, können sich die Zuhörer nicht mehr Halten vor Lachen. Pointierte Gestik und Mimik, ein überzeugendes Spiel mit seiner Stimme ließen die Parodie zu einem Höhepunkt des Abends werden. Das Pippi-Langstrumpf-Lied in perfektem Schwedisch (Zitate aus dem IKEA-Katalog) sorgte ebenso für beste Stimmung wie seine gespielte Verzweiflung auf Ü-30 Partys. Dass er auch spontane Comedy kann, bewies er am Ende. Auf Zuruf des Publikums bastelte er aus „Leberwurstbrot“, „stinkende Socken“, „Currywurst“ und „Genforschung“ ein Lied: „Warum die Socken stinken, untersucht die Genforschung, den Fußgeruch entsteht beim Gehen“.

Dass der Wettbewerb spannend wird, berichtete Kulturhausleiter Stefan Weippert. Dabei stehe jedoch schon ein Sieger fest: „Die Zeitungen“. Denn die meisten der zahlreich erschienenen Gäste seien über die Lokalzeitungen auf die Veranstaltung aufmerksam geworden.

Die Lüsterklemme ist ein von der Sparkasse Lüdenscheid dotierter Preis in Höhe von 1500 Euro, bei dem das Publikum mit seiner Stimmabgabe darüber entscheidet, wer der diesjährige Preisträger wird.

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