500 Bäume müssen in Lüdenscheid gefällt werden

Extremes Baumsterben: Stadt begründet höhere Kosten erstmals mit dem Klimawandel 

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16 Buchen wurden im Loher Wäldchen gefällt. 

Lüdenscheid – Es ist eine Premiere: Erstmals in der Geschichte der Stadt Lüdenscheid wird eine Mehrausgabe mit dem Klimawandel begründet. Grund ist ein extremes Baumsterben. 

Zusätzliche 750.000 Euro macht der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) geltend, um die Folgen des Klimawandels abzufedern. Der Stadtrat entscheidet über die außerplanmäßige Zahlung aus dem Lüdenscheider Haushalt am 30. September. Eine Zustimmung gilt als sicher. 

Konkret geht es um die Pflege und Unterhaltung der stadtweit 33.000 Bäume auf öffentlichen Plätzen, an städtischen Gebäuden, in Park- und Grünanlagen sowie an Spielplätzen. Für die Verkehrssicherungspflicht ist hier der STL zuständig; die Arbeiten werden meist durch Fremdfirmen durchgeführt. 

Rund 150.000 Euro wurden in den vergangenen Jahren im Schnitt für die Gehölzarbeiten ausgegeben. Das Geld entstammte dem Unterhaltungsbudget für Straßen, Spielplätzen und Grünflächen. Doch in diesem Jahr hat sich die Situation dramatisch zugespitzt.

Ende August standen bereits 550.000 Euro auf dem Deckel. Bis zum Jahresende rechnet STL-Werkleiter Heino Lange mit Kosten von 750.000 Euro für die Baumpflege – das wäre eine Verfünffachung des bisherigen Aufwands.

Der Grund: Um ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, hat der STL die Baumkontrollen ausgedehnt. „Die durch den Klimawandel verursachte gegenwärtige Situation erfordert engmaschige Kontrollen der Bäume im Acht-Wochen-Rhythmus. In der Vergangenheit waren jährliche Kontrollen ausreichend“, heißt es in der von Bürgermeister Dieter Dzewas unterzeichneten Vorlage für den STL-Werksausschuss am Donnerstag.

Nach Erkenntnissen des STL lassen sich bei fast allen heimischen Baumarten Schäden oder Vitalitätsminderungen beobachten. Zurückzuführen sei das auf die Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019. 

Nach neuesten Zahlen der Wetterstation am Staberg fielen im vergangenen Jahr nur 833,7 Millimeter Niederschlag auf den Quadratmeter – so wenig wie noch nie. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es noch 1219,6 Millimeter. 

Die durch die Trockenheit reduzierten Abwehrkräfte führen dazu, dass sich Schädlinge wie der Borkenkäfer ausbreiten und die Bäume weiter schädigen und teilweise absterben lassen. Die größten Schäden gibt es neben Fichten und Buchen auch an Kastanien und Eschen. 

Nach aktuellem Stand müssen 500 der 33.000 öffentlichen Bäume gefällt werden. Erst vor einem Monat hatte der STL 16 der 200 Bäume im Loher Wäldchen gefällt. An weiteren 1.000 Standorten im Stadtgebiet sind „baumchirurgische Maßnahmen“ erforderlich. Darunter verstehen die STL-Experten das Herausschneiden von Totholz und die Kronenpflege. 

Werkleiter Heino Lange ist selbst überrascht, wie schnell die Folgen des Klimawandels in Lüdenscheid spürbar sind. „Es war abzusehen, dass der Klimawandel Auswirkungen auf die Bäume haben wird, wie negativ die Folgen sind, aber nicht.“ 

Er rechnet auch im kommenden Jahr mit einem weiteren Baumsterben und hohem Kontrollaufwand. Wenn Bäume nicht ausreichend mit Wasser versorgt sind, könne es sogar sein, dass sie stark belaubte Äste abwerfen – als Schutzreaktion. Dennoch sei es Ziel des STL, jeden Baum „am Leben zu halten“. 

Stirbt ein Baum und wird gefällt, muss eigentlich eine Ersatzpflanzung vorgenommen. Aufgrund der veränderten Klimabedingungen fallen einige heimische Arten wie Fichten und Buchen dafür künftig aus. Daher fordert Heino Lange eine Grundsatzentscheidung, welche robusteren Bäumarten nachgepflanzt werden sollen. Seine Prognose: „Es wird nicht weniger Bäume in Lüdenscheid geben, aber der Charakter wird sich ändern.“

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