"Tolle Preise für tolle Sachen"

Lüdenscheider Experten weisen Kritik eines Juweliers an „Bares für Rares“ zurück

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Detlev Kümmel, Galerist und TV-Experte bei „Bares für Rares“ lädt den Kieler Juwelier ein, sich in der Sendung mal ein eigenes Bild von den Schätzen und ihren Preisen zu machen.

Lüdenscheid - In der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ kommt alles Mögliche auf den Tisch. Die Sendung mit Moderator Horst Lichter ist seit Jahren ein Quotenrenner. Nun erhebt ein Kieler Juwelier schwere Vorwürfe: Die Händler böten zu hohe Preise und weckten so bei seinen Kunden völlig falsche Erwartungen. Detlev Kümmel, Galerist mit eigenem Geschäft in Brügge und TV-Experte in dem beliebten Format, weist die Attacke als unsinnig zurück.

„Der Mann will sich selbst ins Rampenlicht stellen, schießt mit seinen Anschuldigungen aber nur ein Eigentor“, sagt Kümmel. Bei der Sendung laufe alles völlig korrekt ab: „Dort wird nichts gefaked.“ Der Juwelier hatte in den Kieler Nachrichten angeprangert, dass für viele Stücke von den Händlern im Studio viel zu viel Geld geboten und gezahlt würde. 

Er habe deutschlandweit mit vielen Händlern und Auktionshäusern zu tun. Zitiert wird er mit den Sätzen: „Sie bestätigen, dass das, was den Kunden in der Sendung für ihre Schmuckstücke geboten wird, utopisch ist. Es entspricht in keiner Weise dem, was sie auf dem freien Markt erhalten würden.“ 

Sitzt also bei den TV-Händlern Ludwig „Lucki“ Hofmaier, Wolfgang Pauritsch, Susanne Steiger, Walter „Waldi“ Lehnertz, Fabian Kahl, Julian Schmitz-Avila oder Elke Velten das Geld zu locker? Schaukeln die Akteure künstlich die Preise hoch, um mehr Zuschauer vor den Bildschirm zu locken? „Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage“, sagt Kümmel und hält dem Kieler Juwelier seine eigenen Geschäftsmethoden vor. Der Mann kaufe 25 000 Stücke im Jahr an und nur fünf bis sechs davon weiter. Der Rest werde eingeschmolzen. 

Künstlerische Bewertung 

„Ein solches Vorgehen muss man doch sehr infrage stellen. Steine, künstlerische Arbeit – nichts davon fließt offensichtlich in seine Bewertung ein. Das ist aus meiner Sicht kein seriöses Vorgehen.“ Rückendeckung erhält Kümmel vom Gummersbacher Juwelier Sebastian Zapp, der unter anderem ein Geschäft an der Wilhelmstraße 19 in Lüdenscheid führt. „Viele meiner Kollegen machen es sich doch etwas einfach.“ Denen gehe es nur um den günstigen Einkauf und das Einschmelzen. Man müsse aber schon sehr genau unterscheiden, ob es sich um einen 20 000 mal gepressten Massenartikel handele oder beispielsweise um ein Stück aus dem Art déco oder dem Jugendstil.

 „Solche schönen und kostbaren Sachen darf man nicht einfach zerstören. Da greift der reine Goldpreis gar nicht.“ Der Kieler Nörgler habe von künstlerischen Werten entweder keine Ahnung oder enthalte sie den Kunden vor, vermutet Kümmel. „Ich kann ja schließlich einen van Gogh nicht auf den Preis für einen Quadratmeter Leinwand und sechs Tuben Farbe reduzieren oder einen 250 Jahre alten Barockschrank nach dem Raummeterpreis für Eichenholz berechnen. Zu einer fundierten Bewertung gehört schon deutlich mehr als nur der Blick auf das reine Material.“ 

Kauf auf eigenes Risiko

Im Übrigen, so Kümmel weiter, kauften die Händler ja auf eigenes Risiko und veräußerten die Stücke mit Gewinn weiter. „Es funktioniert doch.“ So sieht es auch Sebastian Zapp. „Ich halte das Konzept von ‘Bares für Rares’ für durchdacht und völlig in Ordnung. Wer zu den TV-Experten kommt und weiter zu den Händlern vorgelassen wird, hat auf jeden Fall etwas Besonderes anzubieten. Da kommt ja keine gepresste und billige Massenware auf den Tisch.“ 

Allerdings dürfte auch nicht jeder dem Irrglauben erliegen, er habe die Nachttischschublade voller Kostbarkeiten, die sich schnell zu Geld machen ließen. Billige Artikel gehörten in den Schmelzofen, aber nicht kunstvoll gefertigte Stücke mit schönen Steinen. „Über den wahren Wert klären wir unsere Kunden selbstverständlich auf.“ 

Um es für den Kieler Händler transparent zu machen, lädt Detlev Kümmel den Kritiker ein, sich vor Ort vom korrekten Ablauf zu überzeugen. „Statt neidvoll zu mäkeln, kann er gerne zu uns kommen und sehen, wie es läuft. Mit seiner Aussage ,Es geht so ehrlich zu, dass es keiner glauben möchte‘ hat Lichter den Kern getroffen. Vielleicht möchte der Mann nur auf billige Weise bekannt werden. Aber damit schadet er sich im Ergebnis nur selbst.“ 

Auch für Zapp ist das Format einleuchtend und nachvollziehbar: „Ich halte die Schätzungen und Gebote keineswegs für übertrieben. Tolle Sachen erzielen eben einen tollen Preis.“

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