Situation im MK ist für Abhängige bedenklich

Experte zu Corona: Es ist im Moment schwierig, an Drogen zu kommen

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Für Drogenabhängige hat der Lockdown in der Corona-Krise weitreichende Folgen.

Lüdenscheid – Für Drogenabhängige hat der Lockdown in der Corona-Krise weitreichende Folgen. Auch wenn zunächst nur die Beschaffung schwieriger wird. 

Sie brauchen Anleitung und Zuspruch, sie brauchen Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags oder eine Substitution. Hilfe bekommen Drogenabhängige auch in Coronazeiten bei der Drobs, der Drogenberatung im Märkischen Kreis. Aber auch hier gilt, der Schutz von Mitarbeitern und Klienten hat oberste Priorität. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn gerade die enge Zusammenarbeit den Erfolg der Arbeit bestimmt.

Seit dieser Woche geht die Drobs neue Wege und bietet Hilfesuchenden eine Videoberatung an. „Corona beschäftigt uns sehr, weil es unsere Arbeitsweise komplett ändert“, sagt Stefan Tertel, Geschäftsführer der Drobs. Das fängt bei Teambesprechungen an und hört bei der Begleitung Suchtkranker in betreuten Wohnbereichen noch lange nicht auf. 

„Sonst wurden unsere Klienten im betreuten Wohnen regelmäßig von uns besucht, aber das ist im Moment unmöglich“, sagt der Diplom-Sozialarbeiter. Doch gerade diese steten Kontakte mit ihren Betreuern und Therapeuten sind für die Drobs-Klienten entscheidend für den Erfolg ihrer Therapien. 28 Suchtkranke werden in Lüdenscheid gerade auf diese Weise betreut. 

„Wir halten den Kontakt zu ihnen per Telefon – teilweise sogar täglich. Für einige Klienten ist dies dann auch der einzige Kontakt, den sie im Moment haben“, sagt Tertel weiter. Mit der Möglichkeit der Videoberatung bekommt diese Betreuung nun eine zusätzliche persönliche Note. 

„Anfangs waren die Klienten skeptisch gegenüber der Videoberatung, weil sie neu und ungewohnt war. Doch wenn sie es einmal ausprobiert haben, sind sie begeistert“, so der Drobs-Geschäftsführer. Keine Vorkenntnisse, keine Hardwareinvestitionen, kein technisches Know-how, sondern ausschließlich eine Internetverbindung mit Kamera und Mikrofon sind Voraussetzungen für diese Form der Beratung. „Oder einfach ein Smartphone“, so Tertel. 

Und hierzu haben viele Klienten Zugang. Möglich macht den Service der Videoberatung die Deutsche Arzt AG, ein von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifizierter Videosprechstundenanbieter. Dieser bietet im Rahmen der Telemedizin eigentlich Videosprechstunden für Ärzte an und ermöglicht der Drobs, dieses Angebot zu nutzen. Auch bei einem anderen Schwerpunkt der Suchttherapie, der Gruppentherapie, kommt die Videoberatung gerade zum Einsatz. 

Auch hier profitieren die Suchtkranken und können ihre begonnenen Therapien vorführen. Ihre Arbeit so weit als möglich auch während der Corona-Krise aufrecht zu erhalten, ist das Ziel der Drogenberatung im Märkischen Kreis, die mit drei Teams mit insgesamt 25 Mitarbeitern in Lüdenscheid, Werdohl und Iserlohn arbeitet. 

„Das funktioniert aber leider nicht in allen Bereichen“, sagt Tertel. So stünden derzeit zwar ausreichend Plätze für eine Entgiftung bereit, allerdings habe er seinen Mitarbeitern zu ihrem eigenen Schutz untersagt, die Klienten mit ihren privaten Fahrzeugen dorthin zu begleiten. Öffentliche Verkehrsmittel oder gar private Transportunternehmen kommen hier als Alternative nicht in Frage. 

„Da ist dann häufig nicht die Klinik das Ziel, sondern die nächste Bahnhofsecke“, so der Geschäftsführer. Bei allem Fortschritt in der Beratung Drogenkranker trotz der Corona-Krise, sieht Tertel derzeit ein großes Problem bei der Beratung und Begleitung von Klienten, die mit einem Substitutionsmittel behandelt werden. 

„Im Regelfall gehen sie jeden Tag zum Arzt und nehmen dort unter Aufsicht ihr Mittel ein“, erklärt Tertel. Bedingt durch die Infektionsgefahr ist dies nun vielfach nicht möglich, sodass die Suchtkranken die Substitutionsmittel für einen Zeitraum von einer Woche bis zu einem Monat mit nach Hause bekommen.

„Gerade wenn dann noch Kinder mit im Haushalt wohnen, kann die Menge der Mittel oder auch deren Kombination mit anderen Drogen wie Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln zu einem großen Problem werden.“ Hier versuchen die Betreuer nicht nur ihre Klienten entsprechend zu sensibilisieren, sondern sie auch so eng wie nötig und möglich therapeutisch zu begleiten. 

„Es ist im Moment schwierig, an Drogen zu kommen, da ist gerade viel Unterstützung notwendig.“ Vor dem Ausbruch der Epidemie nutzte die Drobs-MK aus unterschiedlichen Gründen keine Kommunikationswege wie E-Mail-Beratung, Internet-Chats, Video-Kommunikation oder soziale Medien.

Alle Neuigkeiten zur Corona-Krise im Märkischen Kreis gibt es in unserem News-Ticker.

 „Einerseits entsprechen nicht alle dem gesetzlichen Datenschutz – wie Facebook etwa, andererseits bedeuten diese Zugangswege für uns auch ein Vielfaches an neuen Klienten.“ Ein Blick in die Drobs-Statistik zeigt, dass sich auch ohne internetbasierte Kommunikationswege Jahr für Jahr immer mehr Menschen beraten und betreuen lassen. Im vergangenen Jahr nutzten 1050 Märker das Angebot einer Drogenberatung – ein Anstieg von 100 Personen zum Vorjahr. Aus der Beratung ergaben sich schließlich 182 Entgiftungen und 191 Vermittlungen in eine Drogentherapie. „Jeweils so viele wie noch nie“, sagt Tertel.

Kontakt 

Hilfesuchende können die Drogenberatung im Märkischen Kreis unter folgenden Rufnummern erreichen: Lüdenscheid: 0 23 51/2 77 27 Werdohl: 0 23 92 / 1 22 60 Iserlohn: 0 23 71 / 2 28 51 Unter diesen Rufnummern können Termine für eine Videoberatung vereinbart werden. Allgemeine Informationen über die Arbeit der Drogenberatung gibt es im Internet auf der Homepage www.drobs-mk.de.

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