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Ex-Sonneborn-Geschäftsführer erfüllt sich Lebenstraum an der Ostsee

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Von: Jan Schmitz

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XXXLutz Sonneborn in Lüdenscheid.
XXXLutz Sonneborn in Lüdenscheid. © Henrik Wiemer

Von Lüdenscheid aus führte Thomas Hollweg sieben Möbelhäuser im Sauerland mit 550 Mitarbeitern. 2015 verkauften er und seine Mutter Margot Sonneborn ihr Unternehmen an die XXXL-Gruppe. Sechs Jahre später stellt der ehemalige Möbelhändler ein neues Herzensprojekt vor – ein Naturhotel unweit an der Ostsee.

Lüdenscheid – In Hellersen geboren und aufgewachsen, wird Hollweg nach eigener Aussage „im Herzen immer Lüdenscheider bleiben“. Hier hat er nach dem Verkauf der Möbelhäuser zum Teil denkmalgeschützte Immobilien in der Innenstadt erworben und liebevoll sanieren lassen, unter anderem an der Bahnhofstraße und der Sauerfelder Straße. „Meine Frau ist Architektin. Sie hat einen guten Blick für historische Häuser, die ein zweites Leben verdient haben“, verlässt sich der 53-Jährige auf die Expertise seiner Gattin. Auch wenn er mittlerweile in Lübeck wohnt, ist er regelmäßig in der Bergstadt, um Freunde zu treffen und um sich um seine Objekte zu kümmern. Hollweg: „In älteren Bestandsimmobilien gibt es immer wieder Überraschungen.“

Damit muss er bei seinem Neubau an der Ostsee nicht rechnen. Seit vier Jahren treibt er die Pläne für das Naturhotel in Groß Schwansee zwischen Travemünde und Wismar voran – 800 Meter entfernt von der Lübecker Bucht. Die ersten Gebäude stehen schon und verraten viel von der neuen Philosophie des Lüdenscheider Geschäftsmanns. Reduzierte Formen, eingeschossige Baukörper in Holz-Rahmen-Bauweise, natürliche Materialien und modernster Öko-Standard, klimaneutral mit Photovoltaik-Anlage, Gründächern und Batteriespeicher.

Thomas Hollweg im Jahr 2015.
Thomas Hollweg im Jahr 2015. © Cedric Nougrigat

Bis Ende des Jahres sollen die Bagger abgerückt sein, dann wird das mehr als 13 Hektar große Grundstück mit Bäumen bepflanzt und fast ein Jahr sich weitgehend selbst überlassen. „Das Hotel soll sich in die Natur einbetten und mit ihr in Harmonie treten“, sagt Hollweg. Neben der bestehenden Streuobstwiese wird ein großer Bauerngarten nach mecklenburgischem Vorbild angelegt. Hier soll das Gemüse für das hoteleigene Restaurant angebaut werden. Der ehemalige Möbelhändler verfolgt für die Bewirtung seiner Gäste das „Farm-to-Table“-Konzept. Auf den Tisch kommt, was reif ist. Hollweg selbst ernährt sich fleischlos. Nachhaltigkeit, Regionalität und Biodiversität sind ihm auch in der Küche wichtig. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2023 geplant. Mit 40 Zimmern will der Familienvater beginnen, die Option für eine Erweiterung hat er sich gesichert.

Ein eigenes Hotel ist ein Lebenstraum des Lüdenscheiders. Gegenüber der Ostsee-Zeitung (Ausgabe Grevesmühlen) sagte der 53-Jährige: „Das Thema Gastfreundschaft hat mich schon immer fasziniert. Meine Großmutter hatte ein kleines Hotel mit zehn Betten, viele Feierlichkeiten, ein echter Knochenjob seinerzeit.“ Als Kind habe er im Hotel der Oma geholfen, jetzt steht er selbst in der Verantwortung.

Dabei überlässt der Unternehmer nichts dem Zufall. Mit 50 beginnt Hollweg ein Fernstudium der Hotelbetriebswirtschaft, hat sich zum Ernährungsberater und zum Entspannungspädagogen fortgebildet und Yoga-Retreats und andere Naturhotels besucht. In seinem Hotel orientiert er sich an Vorbildern und will „ein Mix aus vielerlei Impulsen“ zu einem neuen Konzept formen. „Die Gäste sollen bei mir zur Ruhe kommen“, verspricht Thomas Hollweg eine entspannte Atmosphäre. Die Ferienregion Klützer Winkel tue ihr Übriges. Sie ist der ruhige Gegenentwurf zu den Touristen-Hotspots wie St.-Peter-Ording oder Boltenhagen.

Thomas Hollweg spricht viel über Zukunftsthemen wie Downsizing, Ressourcenschonung, Vereinfachung. Die Nachfrage nach Gütern als Schwungrad für die Wirtschaft sieht er mittlerweise kritisch: „Konsum ist einfach nicht mehr mein Thema“, betont der ehemalige Sonneborn-Geschäftsführer. Mit dem neuen Hotelkonzept will er etwas entgegensetzen. Die Ostsee-Zeitung zitiert ihn mit den Worten. „Früher haben wird den Menschen mit unseren Möbeln die Wohnung vollgestellt, ich bin froh, ihnen künftig in Groß Schwansee eine Abkehr vom Konsum und einen Rückzug zu sich selbst bieten zu können.“

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