Ex-Lüdenscheider Amadeus Hempel bekommt Bundesverdienstkreuz

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Amadeus Hempel, Hamburger mit Lüdenscheider Wurzeln, erhielt in Berlin das Bundesverdienstkreuz.

Lüdenscheid/Hamburg/Berlin – Weil er "Herausragendes geleistet hat", erhält der gebürtige Lüdenscheider Amadeus Hempel das Bundesverdienstkreuz.

Doch, er erinnert sich noch gut. „Oma wohnte an der Knapper Straße“, sagt Amadeus Hempel und lacht. „Und ich konnte immer unentgeltlich ins Kino gehen.“ Die Kinos hießen damals, als der 69-Jährige seine Kindheit in der Bergstadt verbrachte, Apollo und Capitol und gehörten seinem Onkel, wie er sagt. Lang, lang ist’s her. 

Nun blickt der gebürtige Lüdenscheider auf ein Lebenswerk zurück, das in dieser Woche in Berlin mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde – weil er, wie es in der Begründung heißt, „für die politische Bildung von Migrantinnen und Migranten in Hamburg Herausragendes geleistet“ hat, insbesondere durch die Gründung des Vereins Interkulturelle Bildung Hamburg (IBH). 

"Es geht ja nicht um mich"

Der leiste einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und zum Ausgleich herkunftsbedingter Benachteiligungen. Und weiter: „Überzeugt, dass eine freiheitliche demokratische Gesellschaft ganz wesentlich vom zivilgesellschaftlichen Engagement des Einzelnen lebt, engagiert sich Amadeus Hempel darüber hinaus ehrenamtlich für die Teilhabe alter Menschen in unserer Gesellschaft“. 

Über die Auszeichnung aus der Ordensschmiede seiner alten Heimat freut er sich natürlich, sagt aber bescheiden: „Es geht ja nicht um mich. Ich stehe nicht alleine da.“ Also nimmt er das Bundesverdienstkreuz stellvertretend für all’ die entgegen, die ihm bei der Verwirklichung seiner Ideen geholfen haben. 

"Woll" mit leicht norddeutschem Tonfall

Eine Ehrung in großem Kreis: Vertreter der politischen Bildung aus allen 16 Bundesländern werden am Vorabend des 70. Verfassungstages ausgezeichnet. Die Integration des Sauerländers in den Norden hat, wie man hört, gut geklappt. Seine Wurzeln hat er dennoch nicht vergessen, gibt dem „woll“ einen leicht norddeutschem Tonfall. 

Geboren in Hellersen, sieht er sich bis heute als „Amadeus Gartenstraße“, mit der Toilette auf dem Flur. Vater Günter kam aus englischer Gefangenschaft nach Lüdenscheid, machte Musik für die belgischen Soldaten. Mutter Anneliese war Flüchtling aus Schlesien. Seine Eltern liebten das Theater. Mit zwölf Jahren verließ Amadeus die Bergstadt. 

"Helfen macht Freude"

Der Vater, inzwischen beim Verband der Filmverleiher tätig, konnte die Zentrale in Norddeutschland übernehmen. Das Abitur machte der frühere Zeppschüler in Hamburg. Es folgte ein Studium der Rechtswissenschaft, ein Schnuppern in den Journalismus, der Einstieg in die Politik. 1974 kam er für die FDP in die Hamburgische Bürgerschaft – die Eckpunkte waren gesetzt. 

Die Vermittlung von Demokratiestrukturen für Zuwanderer, von Sprache und Lebensart, von theoretischem Anspruch im praktischen Alltag ist seither Beruf und Berufung gewesen. Das Motto „Helfen macht Freude“ hat er verinnerlicht. 

Mit seiner Lebenspartnerin, einer Hamburgerin, ist er an der Elbe längst heimisch, doch gelegentlich zieht’s ihn zurück in die Bergstadt, zu Verwandten. Wenn Zeit bleibt, gehört sie dem Kabarett, der Satire, dem Boule-Spiel „und dem Fahrradfahren“.

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