Fall wird neu aufgerollt

Ex-Geliebte in Lüdenscheid erwürgt: Bundesgerichtshof hebt Urteil auf

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Symbolbild

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil gegen einen Mann in Lüdenscheid, den das Hagener Schwurgericht am 27. August wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt hat, aufgehoben.

Lüdenscheid - Der Fall des gewaltsamen Todes einer Frau (44) in ihrer Wohnung an der Lohmühlenstraße wird komplett neu verhandelt. 

In seinem Revisionsantrag hatte Rechtsanwalt Dirk Löber unter anderem gerügt, dass das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Marcus Teich  das Mordmerkmal der niederen Beweggründe angenommen hatte. Auf Anfrage erklärt Dirk Löber: „Der BGH hat festgestellt, dass der Tötung des Opfers ein verbaler Streit vorangegangen war. Das ist aber nicht hinreichend berücksichtigt worden und damit rechtsfehlerhaft.“ 

Der Verurteilte war in der Nacht des 25. Februar in der Wohnung der Frau aufgetaucht. Nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft war er eifersüchtig, weil sie kurz zuvor Besuch von einem anderen Mann hatte. 

Offenbar hatte der 40-Jährige „Besitzansprüche“ gegenüber seiner Angebeteten. Löber: „Er wollte die Frau für sich behalten. Das schließt nach BGH-Auffassung aber einen Tötungsvorsatz aus.“ 

Totschlag statt Mord? Angeklagter hat Chance auf mildere Strafe

Möglicherweise komme demnach auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder sogar „nur“ wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht. Die obersten Richter stellten fest: „Eine Verurteilung wegen Mordes hält einer rechtlichen Nachprüfung nicht stand.“ Die Revision habe „in vollem Umfang Erfolg“. 

Damit ist auch der Antrag des Generalbundesanwalts, die Revision des Verteidigers zurückzuweisen, gescheitert. Nun bereitet sich die Justiz darauf vor, den Fall komplett neu aufzurollen. Das Urteil vom 27. August ist aufgehoben, eine andere Strafkammer des Landgerichts Hagen muss den Prozess als Schwurgericht neu führen. 

Der Angeklagte erhält eine Chance auf ein deutlich milderes Strafmaß. Ein Termin für die Hauptverhandlung steht noch nicht fest. Wie der Lüdenscheider Strafverteidiger auf Anfrage weiter sagt, habe sein Erfolg einen hohen Seltenheitswert. 

„Nur über drei bis fünf Prozent der Revisionsanträge beim Bundesgerichtshof wird positiv entschieden.“

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