Flotte Lieder über die Liebe und die Krisen

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Das Ensemble zeigte die Entstehungsgeschichte des Plattenlabels.

Lüdenscheid - Was für eine Stimmung: Nach weit mehr als zwei Stunden „Motown Sound“ hielt es im Kulturhaus kaum noch jemanden in den Sesseln. Die durch das Eurostudio Landgraf in Szene gesetzte „Legende“ war in Lüdenscheid angekommen.

Viel trug dazu bei: Die meisten der Songs trafen auf Ohren, die sie bereits kannten, und die Geschichte des von Berry Gordy gegründeten Schallplattenlabels wurde auf ansprechende Weise erzählt. Vor allem waren es aber die wirklich exzellenten Sänger, die dem charakteristischen Sound der 60er- bis 80er-Jahre Leben einhauchten und das Publikum wiederholt zu Szenenapplaus veranlassten.

In einer Zeit vieler Singer- and Songwriter mit einer klaren politischen Botschaft gab Berry Gordy die Zielrichtung für die Musik aus der „Motortown“ Detroit vor: Die Melodien sollten leicht wiederzuerkennen sein und ihr Publikum innerhalb von 20 Sekunden erreichen. Ihre Texte sollten Geschichten ohne politische oder sonstwie kontroverse Themen erzählen. Gefragt war Musik, die vor allem „in die Beine, ins Blut und ins Herz“ ging. Politisch war das Label auf andere Weise als durch kritische Texte: Schon die Gründung einer schwarzen Musikfabrik mit zahlreichen afro-amerikanischen Künstlern, von denen viele eine Weltkarriere begannen, ergänzte Martin Luther Kings Traum von der Emanzipation der schwarzen Amerikaner um eine schillernde Facette.

Nichts erfüllte Berry Gordys leichtfüßige Kriterien so zuverlässig wie flotte Lieder über die Liebe und die Krisen, die ihr Ende zuweilen auslösen kann. Und so ging es von „My Girl“ über „Do you love me?“ und „I’m so in love with you“ bis zum bedauernden „I’ve been loving you too long“. Illustre Namen erlebten eine grandiose Wiederauferstehung durch die drei Männer und zwei Frauen an den Mikrophonen. Besonders hervorgehoben sei Marion Campbell, die unter anderem „When a man loves a woman“ mit beeindruckender Stimmkraft vortrug. Freude machten auch Kostbarkeiten wie Stevie Wonders „Superstition“, Marvin Gayes „I heard it through the grapevine“ und der Klassiker „Papa was a rolling stone“. Nicht jeder Titel war ein Meilenstein der Musikgeschichte, doch das ließen die authentisch im Motown-Stil tanzenden Sänger und die sich durch das reiche Material präzise hindurcharbeitende Begleitband vergessen. - thk

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