Beweisaufnahme abgebrochen

Europapark Rust und Moviepark Bottrop: Verfahren gegen mutmaßlichen Bombendroher ausgesetzt

Es gab einen Zwischenfall im Europa-Park in Rust
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Symbolfoto

Kaum hatte die Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Bombendroher am Amtsgericht Lüdenscheid begonnen, wurde das Verfahren gegen ihn wieder ausgesetzt. Der Grund: Die Prozessbeteiligten wollen abwarten, wie zwei Berufungsverfahren gegen den 35-Jährigen ausgehen, die am Landgericht Hagen noch anhängig sind.

Lüdenscheid - Im Europapark Rust in Baden-Württemberg und im Moviepark Bottrop-Kirchhellen herrschte im Oktober 2018 helle Aufregung. Ein Mann hatte angerufen und erzählt, er sei vor Ort und habe verdächtige Beobachtungen gemacht. In Rust will er einen Verdächtigen beobachtet haben, aus dessen Rucksack Drähte ragen. Im Moviepark will der Anrufer gehört haben, wie jemand ankündigt, alles in die Luft zu sprengen.

In beiden Fällen erklärt der 35-Jährige gegenüber Strafrichter Markus Pohl, er sei tatsächlich gar nicht in den Parks zu Gast gewesen, sondern habe sich in Lüdenscheid aufgehalten. Aber: „Ja, ich habe angerufen.“ Angaben über sein Motiv klingen verworren. Er habe kurz zuvor von einer Bedrohung im Moviepark erfahren und habe lediglich wissen wollen, ob in Rust ebenfalls ein Bombenleger rumläuft. „Und ob das derselbe war wie im Moviepark.“

Dass er seine Telefonate mit den Polizisten unter falschem Namen geführt hat, habe mit seiner Angst zu tun gehabt, „dass die vielleicht meine Wohnung durchsuchen.“ Tatsächlich benutzte der Anrufer den Namen eines Bekannten, dessen Wohnung plötzlich Einsatzort eines Zugriffs eines SEK-Kommandos wurde. Dass die Polizisten in Rust von einer realen Bedrohung ausgingen, habe er nicht beabsichtigt, so der Angeklagte. „Das war ein Missverständnis.“

Der Angeklagte gibt sich in seiner Vernehmung freundlich und gesprächig. Es geht noch um zwei weitere Vorwürfe aus der Anklage. Die räumt er unumwunden ein. Dass er mutwillig einen Feuermelder in der Sparkassen-Hauptstelle am Sauerfeld betätigt hat, erklärt er so: „Ich wollte testen, ob die mich erwischen.“ Und dass er sich im Büro einer Bewährungshelferin vor deren Augen entblößte und onanierte, dafür gibt‘s aus Sicht des 35-Jährigen ebenfalls einen Grund: „Ich war sauer, weil man mich beschuldigt hat, im Penny-Markt einen kleinen Jungen angefasst zu haben.“

Damit ist die Beweisaufnahme für diesen Prozesstag erledigt. Denn der Staatsanwalt regt ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen an. Hintergrund ist ein Berufungsverfahren, das am Landgericht Hagen anhängig, aber noch gar nicht terminiert ist. Richter Pohl sagt nach dem Rechtsgespräch: „Wir wollen zunächst abwarten, was die Berufungssache am Landgericht ergibt.“

Die Bombendrohungen in den beiden Vergnügungsparks und die weiteren Vorwürfe in diesem Verfahren werden aller Voraussicht nach nicht mehr in diesem Jahr verhandelt. Der Terminplan am Amtsgericht ist eng. Der Richter kündigt die Hauptverhandlung für April 2022 an.

Dann wird es um ein Urteil des Schöffengerichts gehen, das den Lüdenscheider wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt hat. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass 35-Jährige am Fenster seiner Unterkunft nackt vor Kindern getanzt hat.

In zwei weiteren Fällen sprach das Schöffengericht den Angeklagten frei. Demnach soll er zwar völlig unbekleidet vor die Haustür gerannt und sich abermals Kindern gezeigt haben. Doch die zwei Mädchen hatten sich nach eigenen Aussagen so gut versteckt, dass er sie gar nicht gesehen habe.

Außerdem soll er einen Zwölfjährigen in einem Supermarkt grob angefasst und sexuell bedroht haben. Der Schüler erkannte den Beschuldigten bei einer Gegenüberstellung aber nicht wieder. Nach den Freisprüchen in diesen beiden Fällen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Berufungskammer am Hagener Landgericht hat noch keinen Termin festgelegt.

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