800 Euro Geldstrafe für drei Touren mit der Bahn

LÜDENSCHEID ▪ „Na, ich sag mal so: Ich war mit einem Kumpel in einer Bar, und ich habe mir ein bisschen einen gebechert.“ Das ist nicht verboten, mit 26 Jahren schon mal gar nicht. Aber wenn man in Lüdenscheid wohnt, in Dortmund sein Geld versoffen hat, gratis mit der Bahn wieder nach Hause fahren will und immer wieder erwischt wird, dann landet man irgendwann vor Gericht.

Strafrichter Andreas Lyra hat Geduld mit dem jungen Mann. Der wohnt wegen einer Psychose im Haus Hellersen und lernt gerade ein paar einfache Dinge wie Körperhygiene, morgendliches Aufstehen oder Nachdenken über die Zukunft. Und darüber, ob sich Schwarzfahren auf Dauer lohnt.

Sechs Vorstrafen hat er auf dem Kerbholz – Schlägereien, Drogendelikte, zwei Urteile wegen Erschleichens von Leistungen. Zuletzt wurde er verwarnt und dazu verdonnert, noch weitere zwölf Monate in der Einrichtung wohnen zu bleiben. Die aktuell angeklagten drei Touren zwischen Lüdenscheid und Dortmund werden richtig teuer. Die Staatsanwältin beantragt die Verhängung einer Geldstrafe von 800 Euro. Richter Lyra braucht nur Sekunden, um zu entscheiden und dem Antrag zu entsprechen.

Ob Geldstrafen künftig noch ausreichen, ist für den Richter unklar. „Man muss sich langsam fragen, ob er es lernen wird.“ Der Angeklagte sei schuldfähig, „das ist hier nicht irgendein Spaß“, und Schwarzfahren könne auch mit Gefängnis bestraft werden, droht Andreas Lyra. Der 26-Jährige akzeptiert das Urteil und verspricht Besserung. „Das ist mir eine Lehre. Ich hab’s verbockt, ich muss es geradebiegen.“

omo

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