Arbeitsgericht: STL kündigt chronisch krankem 62-Jährigen / Vergleich

50.000 Euro Abfindung für Lüdenscheider

Lüdenscheid - Weil es nach Überzeugung der Werkleitung „keine Einsatzmöglichkeiten“ mehr für ihn gab, hat der STL einem 62-jährigen kranken Mann die „personenbezogene außerordentlichen Kündigung“ ausgesprochen. Der Lüdenscheider – tätig auf dem Recyclinghof am Fuhrpark – klagte gegen die Kündigung. Vor dem Arbeitsgericht gab es jetzt einen Vergleich: Der an Multipler Sklerose leidende STLer bekommt eine Abfindung von 50.000 Euro. Damit ist der Rechtsstreit erledigt.

Vor 18 Jahren kam die Diagnose. Da war der Familienvater bereits fünf Jahre beim STL beschäftigt. „Anfangs fuhr er Lastwagen, dann ging es nicht mehr, dann Pkw, bis auch das nicht mehr klappte“, sagt Werkleiter Heino Lange. Die Krankheit verschlimmerte sich in Schüben. Lange: „In vier Jahren war der Mann mehr als 500 Tage krankgeschrieben.“ Beim STL gebe es halt „keine leichten Tätigkeiten“.

Wer aber älter als 50 und länger als zehn Jahre im öffentlichen Dienst angestellt ist, kann nicht einfach so rausgeschmissen werden. Da bedarf es einer außerordentlichen Kündigung, die gut begründet sein muss. Der STL stützt sich auf arbeitsmedizinische Gutachten durch einen Betriebsarzt.

Der 62-Jährige, zu 80 Prozent schwerbehindert, wird derweil vom Recyclinghof zur Schrottverladung versetzt, was sein Rechtsanwalt Ingo Theissen-Graf Schweinitz als „Schikane“ einstuft. Der Anwalt sagt: „Der Arbeitgeber hat alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für meinen Mandanten nicht ausreichend geprüft.“ Heino Lange dazu: „Das stimmt nicht, wir haben alles geprüft.“

Nach dem ersten Gütetermin vor dem Arbeitsgericht liegen die Vorstellungen weit auseinander. Der STL bietet eine Abfindung von 30 000 Euro an. Theissen-Graf Schweinitz fordert 55.000. Das Integrationsamt, Schwerbehinderten-Schutzstelle beim Landschaftsverband in Münster, stimmt der Kündigung zu. Der Klägeranwalt legt dagegen Widerspruch ein. „Mein Mandant bekommt eine neue Medikation und war schon seit längerem nicht mehr arbeitsunfähig.“

Der Münsteraner Arbeitsrechtler Christian Althaus vertritt den STL vor dem Arbeitsgericht. Ingo Theissen-Graf Schweinitz sagt vor Verhandlungsbeginn zu ihm: „Mehr als 50.000 müssen es sein!“ Althaus steigert das Ursprungsangebot: „Bei uns muss eine Vier vorne stehen!“ Die Parteien treffen sich bei 50.000 Euro. Der Vergleich ist perfekt.

STL-Werkleiter Heino Lange verweist auf die „Fürsorgepflicht“ für die Beschäftigten und sagt: „Persönlich tut mir das schon leid.“ Sein Ex-Mitarbeiter ist noch nicht im Rentenalter. Doch der sagt: „Ich bin ganz zufrieden.“

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