Ein Flug in die Freiheit

Eulenretter im MK: Spaziergänger befreien Uhu aus Teichnetz

Uhu Lüdenscheid Auswilderung
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Der Moment vor dem Flug in die Freiheit: Der in Lüdenscheid gefundene Uhu wurde wieder ausgewildert.

Zunächst noch scheu lugt der Uhu mit funkelnden Augen durch den Spalt in der Transportbox. Dann geht alles blitzartig.

Lüdenscheid – Binnen Sekunden verlässt die Großeule den Pappkarton und schwebt unaufhaltsam Richtung der nahen Baumkronen. Ein Flug in die Freiheit, Auswilderung geglückt.

So sieht es auch Volker Knipp. Der Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis war es, der den Vogel am Samstag wieder in dessen angestammtes Revier – die Wälder des Lüdenscheider Oedenthals – entlassen hat. Den Abflug des Uhus aus der Kiste kommentierte Knipp dabei so: „Das ging aber wirklich schnell.“

Rückblende. Vor gut einer Woche entdecken Spaziergänger das ausgewachsene Uhu-Weibchen in hilfloser Lage im Oedenthal – verfangen in einem Teichnetz. Die Helfer befreien das Tier, das zwar unverletzt wirkt, aber entkräftet und flugunfähig ist. Die Wanderer verständigen daraufhin das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis.

Dessen Mitarbeiter Volker Knipp macht sich sofort mit einem Pappkarton auf den Weg ins Oedenthal, birgt den Uhu und fährt ihn zur Bergischen Greifvogelhilfe in Rösrath bei Köln. Das ehrenamtliche Team der Auffangstation päppelt die Eule auf und bringt sie auch zum Tierarzt. Ergebnis: Der Uhu mit einer Flügelspannweite von circa 1,7 Metern und einem Gewicht von rund drei Kilogramm ist wirklich unverletzt, benötigt aber ein paar Erholungstage.

Die bekommt er in den Volieren der Greifvogelhilfe. Nicht weit entfernt von ihm sitzt dabei auch ein Artgenosse aus der Heimat: „Flori“, jener junger Uhu, der vergangenen Sommer am Schalksmühler Feuerwehr-Sitz Quartier genommen hatte, dann aber verunfallte und ebenfalls zur Bergischen Greifvogelhilfe kam. Seine Auswilderung ist laut Volker Knipp für März angepeilt. Allerdings nicht im Sauerland, sondern im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Günstiger Zeitpunkt für Auswilderung

Dagegen kann besagtes Oedenthaler Uhu-Weibchen bereits seit dem Wochenende wieder die Freiheit genießen. Die Wiederauswilderung erfolgte dabei zu einem günstigen Zeitpunkt. Volker Knipp: „Derzeit ist Balzzeit, wahrscheinlich wird die Uhu-Dame schon bald einen Partner finden.“ Knipps Prognose: „Das Paar dürfte dann in einem der nahen Steinbrüche nisten.“

Uhus sind mit einer Körpergröße von bis zu 70 Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu 1,80 Metern die größten Eulen. Vor 50 Jahren galten sie in weiten Teilen Deutschland aufgrund von Bejagung und Giftstoffen in der Umwelt fast als ausgerottet.

Inzwischen sind die Vögel streng geschützt. Vogelkundler schätzen die Zahl der Brutpaare in Deutschland auf ungefähr 2000. In Nordrhein-Westfalen werden bis zu 500 Brutpaare vermutet, besonders in Eifel und Sauerland. Das Revier eines Uhus ist bis zu 40 Quadratkilometer groß – das entspricht etwa der Hälfte des Lüdenscheider Stadtgebiets.

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