Erstmals integrative Lerngruppe an der ARG

Schulleiter Michael Lohr: „Das starre Schulsystem löst sich nach und nach auf.“

LÜDENSCHEID ▪ Premiere an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule (AGR): Nach den Sommerferien werden fünf Schüler innerhalb einer Klasse eine integrative Lerngruppe bilden: „Die Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf und sind schon an den Grundschulen integrativ beschult worden“, sagt Schulleiter Michael Lohr.

Das bedeute, dass sich die rund 90 Pädagogen in der Einrichtung am Eulenweg fortbilden müssen, um den auf sie zukommenden Anforderungen gerecht zu werden. Grundsätzlich gehe die Maßnahme auf die Konvention der Vereinten Nationen zurück, wonach behinderte und nichtbehinderte Menschen gleichgestellt werden müssen.

„Der nordrhein-westfälische Landtag hat 2010 entsprechend das Schulgesetz geändert und ratifiziert. Die Eltern von Kindern mit Förderbedarf haben damit einen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Regelschule“, schildert Lohr den Hintergrund.

Die fünf Kinder seien von den Grundschulen an das Schulamt des Märkischen Kreises gemeldet worden und von dort der ARG zugewiesen worden. „Auf Dauer wird dies auf alle Schulformen, auch Realschulen und Gymnasien zukommen. Das starre Schulsystem löst sich nach und nach auf. Irgendwann wird es eine Gemeinschaftsschule für alle geben.“

Man müsse nun sehen, wie der Unterricht gestaltet werde: „Wir werden mit unseren Kollegen von den Grundschulen sprechen und abgleichen, welche Schüler mit hoher Sozialkompetenz gut geeignet sind für die Klasse mit der integrativen Lerngruppe. Nach den Herbstferien erfolgt dann eine erste Analyse der Erfahrungen.“

Die Aufnahme körperbehinderter Kinder scheiterten allerdings bisher noch an einer dafür notwendigen behindertengerechten Ausstattung der Schule. Außerdem sei der Pflegebedarf nicht abschätzbar: „Da wäre ich überfordert“, sagt Michael Lohr. Hier müssten auch die Eltern beurteilen, ob dies Sinn mache.

Nach dem jetzt abgeschlossenen Verfahren sind 208 Kinder für das neue Schuljahr an der ARG angemeldet worden, so dass sechs Eingangsklassen mit jeweils 25 Schülern gebildet werden können. Über die Ablehnungen entscheidet das Losverfahren unter Berücksichtigung von Härtefällen und schulspezifischen Kriterien.

Aufgrund der demografischen Entwicklung sind die Anmeldungen von 255 im Jahr 2009 und 233 in 2010 auf 208 zurückgegangen.

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