Alle Glaubensgegenstände mussten entfernt werden

Erstes von drei Gotteshäusern: Kirche im MK entweiht

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Geistliche und Messdiener tragen die Heiligenfiguren und liturgischen Gegenstände nach der Profanierung (der Entweihung) der Kirche nach draußen, damit sie künftig in Maria Königin einen neuen Platz finden.

Lüdenscheid – Alle Dinge, die explizit den katholischen Glauben symbolisieren, wurden aus der Kirche entfernt.

In einem feierlichen Akt wurden die Figuren der Heiligen Hedwig und der Mutter Gottes sowie Abendmahlsgeräte und weitere „katholische“ Dinge aus der Kirche St. Hedwig getragen, in den mit Samt ausgeschlagenen Kofferraum eines Autos gelegt und zu Maria Königin am Schättekopf transportiert.

So endete am Sonntag, fast auf den Tag genau 25 Jahre nach dem Richtfest von St. Hedwig, eine jahrzehntelange katholische Kirchengeschichte im Stadtteil Gevelndorf: Zur Abschiedsmesse mit Profanierung von St. Hedwig hatten sich fast 300 Menschen an der Karlshöhe versammelt. Vor der Kirche empfingen Walter und Monika Wortberg die Gottesdienstbesucher mit Plakaten. 

Walter und Monika Wortberg protestierten vor der Messe gegen weitere Kirchenschließungen.

Darauf war ein Appell an die Bischöfe in Deutschland zu lesen, keine Kirchen mehr zu schließen. Dabei betonte Wortberg im Gespräch ausdrücklich: „Wir sind nicht gegen den Standort St. Joseph und Medardus.“ Vielmehr müsste seiner Meinung nach mehr als eine Kirche für rund 16.000 Katholiken erhalten bleiben. Sein Plakat war unterzeichnet mit „Internationaler Kreis des Friedens St. Medardus“. 

Wortberg hat erst kürzlich in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, Bischof Overbeck darum gebeten, dem Verkauf von St. Hedwig nicht zuzustimmen. Er hat unter anderem argumentiert, dass der Pfarreientwicklungsprozess zu einer Spaltung der Mitglieder „und zu schweren psychischen und körperlichen Erkrankungen bei einigen Gläubigen“ sowie zu „zahlreichen Kirchenaustritten“ geführt habe. 

Gottesdienstbesucher und Kirchenchor füllten fast jeden Quadratmeter der Kirche.

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor der Gemeinde Maria Königin, zu der St. Hedwig als Filialkirche gehörte. Überhaupt waren viele Besucher aus anderen Gemeinden der Pfarrei St. Medardus gekommen, um diesen Vormittag gemeinsam mit den Katholiken aus Gevelndorf zu verbringen. Von denen wiederum waren etliche gar nicht erst dort, weil ihnen der Abschied von ihrer Kirche zu schwer falle, sagte Pastor Hans Ferkinghoff. 

Einige Gevelndorfer hatten am Samstag mit einer Traueranzeige in den Lüdenscheider Nachrichten die Kirchenschließung bedauert. Ferkinghoff erinnerte in seiner Predigt an die erste Holzkirche, die seit 1964 an der Karlshöhe stand, und zeigte auf die Heiligenfigur, die ein Netz in die Hand bekommen hatte. „In dieser Kirche hat die Heilige Hedwig ihr Netz ausgeworfen.“ 

"Wir tragen mit an diesem Tag"

Sie habe, wie die Fischer, die Jesu zu seinen Jüngern gemacht habe, viele Menschen zum Glauben gebracht, die dort ihre Taufe, Trauung oder Erstkommunion erlebt haben und in der Gemeinde aktiv geworden sind. Bis zuletzt habe es einmal im Monat die Cafeteria gegeben – und auch an diesem Sonntag trafen sich nach dem Gottesdienst noch einmal viele Pfarreimitglieder im Gemeindesaal. 

Ein Grußwort sprach zu Beginn der Messe Monika Deitenbeck-Goseberg, Pfarrerin der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde Oberrahmede. „Wir tragen mit an diesem Tag, der mir selbst so schwer ist“, sagte sie und sprach eine Einladung in ihre Gemeinde aus. Schließlich verlas Pfarrer Andreas Rose nach der letzten Eucharistiefeier in St. Hedwig das Schreiben von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und läutete damit die Profanierung, also die Entweihung, der Kirche ein. Dazu gehörte es, dass alle Dinge, die explizit den katholischen Glauben symbolisieren, aus der Kirche entfernt wurden.

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