Aus Protestlern werden Visionäre

Erster Jahrestag der „Ballonrevolution“ in Lüdenscheid

+
Ronja Eick dekoriert zum Jahrestag der „Ballonrevolution“ natürlich ihr Geschäft mit Luftballons. Den Kunden gefällt’s, auch wenn sie den Ursprung meist nicht mehr vor Augen haben. Den erklärt die Szenario-Chefin aber gerne.

Lüdenscheid - „Haben Sie Geburtstag?“, fragten die Kunden in Ronja Eicks „Szenario“. In gewisser Weise schon: Die Luftballon-Revolution feierte Einjähriges. Deshalb waren manche Fassaden am Donnerstag mit Ballontrauben geschmückt. Damit setzten diejenigen ein Zeichen, die sich künftig gemeinsam und auf unterschiedlichen Ebenen um die weitere Entwicklung der Innenstadt kümmern wollen.

Inzwischen haben sich rund 50 Geschäftsleute, Gastronomen und Dienstleister zusammengefunden, um ihre „Vision 2020“ zu erarbeiten und mit der Stadt die Machbarkeit abzustimmen. War die „Ballonrevolution“ im Ursprung eine Form des Protestes gegen allzu rigide ausgelegte städtische Gestaltungsvorschriften, so hat sich das Symbol inzwischen gewandelt.

Inzwischen steht es für Aufbruchstimmung und den Willen, Zeichen zu setzen und Lüdenscheid mit bunten Ideen aus dem oft grauen und langweiligen Städte-Einerlei herausragen zu lassen. Kurz: „Wir lieben unsere Stadt“, von der Hochstraße bis zum Knapp.

Erster Jahrestag der "Ballonrevolution"

Rund um den Engelbert-Platz blühten Forsythiensträucher und Ballontrauben. Die Stadtbücherei war geschmückt, Schubidu und Optik Mühlenberg zeigten Farbe, Frisör Bubert füllte das Schaufenster mit Ballons. Goldschmiedemeisterin Barbara Niclas pflanzte Blütenballons in den – städtischen – 70er-Jahre Betonkübel vorm Ladenlokal. „Den würde ich gerne umgestalten,“ sagte sie und fügte augenzwinkernd hinzu: „Aber nicht ohne Rücksprache.“

Die „Wir lieben Lüdenscheid“-Botschaft der Ballons hat auch das Rathaus erreicht. Bürgermeister und Pressestelle bekennen Farbe.

Einer der angesichts der Ballons eher provozierend an eine Schrotflinte denkt, um „den Quatsch“ zu beseitigen, ist Konditormeister Norman Weßling. Auch wenn er die Art des Protestes nicht nachvollziehen kann, arbeitet er bei den Visionären 2020 gerne mit. Auch, um die Eigenverantwortung der Unternehmer anzumahnen: „Als ich hier anfing, wusste ich genau, was ich darf und was nicht.“ 

Er ist dankbar, dass die Stadt eine Gestaltungssatzung hat und anwendet. „Meine Gäste sehen ja bei mir heraus“ – wenn möglich auf Schönes. Am Donnerstag sahen die Passanten vor allem bunte Ballons vor blauem Himmel. Hin und wieder platzte einer mit lautem Knall. Nur ein Ballon, keine Vision. 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare