STL zum ersten Mal im Minus

Bernd-Rüdiger Lührs (CDU).

LÜDENSCHEID ▪ Aufhorchen ließ Bernd-Rüdiger Lührs (CDU) in der jüngsten Stadtratssitzung: Seine Ablehnung von Ausbildungen über Bedarf beim Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb (STL) für 2013 begründete der Werksausschuss-Vorsitzende mit „offenen Rechnungen“ der Stadt und einem erstmals in der 22-jährigen STL-Geschichte erwirtschafteten Minus. Die LN hakten nach – heraus kam, dass für das nächste Jahr auch Gebührenerhöhungen anstehen.

„Die werden allerdings mit unter drei Prozent recht moderat ausfallen“, sagte Lührs gestern auf Anfrage. Dass sie überhaupt sein müssten, liege an der zweiten Welle der Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst, steigenden Energiekosten und der Tatsache, dass der STL keine Reserven mehr zum Abfangen von Mehrbelastungen habe. „Wir werden, wie im Wirtschaftsplan 2012 vorhergesagt, am Jahresende tatsächlich bei einem Minus in Höhe von 217 000 Euro ankommen“, zitierte Lührs den jüngsten Prognosebericht. Das habe es noch nicht gegeben, seit der STL im Jahr 1991 aus dem Fuhramt hervorging.

Die Aufträge der Stadt würden immer weniger. Heute könne zum Leidwesen der Bürger nur das Notwendigste in der Unterhaltung von Straßen, Grünflächen oder Spielplätzen geleistet werden: „Da geht es um Verkehrssicherung und Gefahrenabwehr.“

Das gelte auch im Winterdienst. „Ich hoffe dass der nächste Winter milde wird.“ Sonst würden sich die Bürger wundern, wo überall nicht mehr geräumt werden könne. Zuletzt sei der STL auf einer Rechnung über gut eine halbe Million Euro im Winterdienst für die Stadt sitzengeblieben.

Was im Sommer im Stadtbild am wuchernden Unkraut sichtbar wurde, bedeutete für den STL fehlende Aufträge, und die erhalte man zu 90 Prozent von der Stadt. Sich auf dem Privatsektor zu tummeln, war öffentlichen Betrieben von der schwarzgelben Landesregierung Rüttgers verboten worden. Heute, so Lührs, litten auch Privatfirmen unter ausbleibenden STL-Aufträgen, ob für Grünpflege oder Winterdienst.

Doch um die eigenen Leute, 180 an der Zahl, trotz mauer Auftragslage beschäftigen zu können, übernimmt der STL Aufgaben selbst, die früher abgegeben wurden, etwa das Schneiden von Kronen oder Totholz. Auch würden Gärtner als Müllwagenfahrer eingesetzt, berichtet Betriebsleiter Heino Lange. Diese Ausrichtung auf den verbliebenen Bedarf und ein Stellenabbau durch natürliche Fluktuation, beides seit Jahren praktiziert, sorge dafür, dass es keine Kündigungen gebe.

Unter Rotgrün soll es Betrieben wie STL wieder möglich werden, sich Privataufträge zu sichern. Lührs: „Das würden wir tun, am besten mit den Firmen.“ ▪ hgm

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