Erste Strafen im Schutzgeld-Prozess: Urteil gegen Filiz S. und Ziya Y.

Lüdenscheid - Filiz S., die Schwester des Automatenaufstellers Murat S., muss für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Kammer verurteilte sie wegen Nötigung und versuchter Nötigung und verhängte die Strafe ohne Bewährung.

Denn die 31-Jährige stand zur Tatzeit wegen einschlägiger Delikte bereits zweifach unter laufender Bewährung. Ihren Bekannten Ziya Y. verurteilten die Richterinnen wegen gleichgelagerter Taten zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten mit Bewährung. Die Verteidiger hatten jeweils Freispruch beantragt.

Damit endet für zwei der vier Angeklagten im sogenannten Schutzgeld-Prozess ein „langwieriges und hochemotionales Verfahren“, wie Staatsanwalt Axel Noelle in seinem Plädoyer sagt. Er wirft Schlaglichter auf die Expansionsbemühungen des Aufstellers. Dabei, so Noelle, habe sich Murat S. auf Dienste von „Lakaien und Helfern“ sowie diversen „Strohleuten“ gestützt. Und eben auf die seiner Schwester und des Kumpels aus Köln.

Vor allem die Vorgänge in einer Spielhalle in Hohenlimburg sind bis zum Schluss des abgetrennten Verfahrens umstritten. Die Staatsanwaltschaft unterstellt, Filiz habe sich dieses Geschäft übertragen lassen – und sei im Sommer ‘15 „mit zwei sehr stämmigen“ Rockern, die ein „furchteinflößendes Erscheinungsbild boten“, in der Spielhalle aufgetaucht. Deren Wirt stand bei der Bande im Verdacht, Geld aus Murats Automaten unterschlagen zu haben. Noelle beantragt zweieinhalb Jahre für die Frau und eineinhalb Jahre für ihren Bekannten.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Wolf Bonn, Verteidiger des angeblichen Hells-Angels-Rockers, beginnt sein Plädoyer mit dem Satz: „Mein Mandant ist unschuldig.“ Die einzige Erkenntnis, die im Zusammenhang mit der Hohenlimburger Geschichte festgestellt wurde, sei: „Er war anwesend“. Bonn: „Aber was soll er denn gemacht haben?“ Wenn er in der Bahn neben einem „großen, kräftigen und tätowierten Kerl“ sitze, „mag ich mich vielleicht unwohl fühlen“. Aber solange der „kein Verhalten an den Tag legt, liegt auch keine strafbare Handlung vor“.

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Laut Filiz’ Verteidigerin Dörthe Clemens hat der Hauptbelastungszeuge „uns alle für dumm verkauft“. Und ihr Kollege, der Bonner Verteidiger Ingo Thiée, kritisiert ironisch die „Meisterleistung“ und „Rosinenpickerei“ der Anklagebehörde. „Am Anfang wird dick aufgefahren.“ Und zwar gegen „jede Unschuldsvermutung.“ Die lange Untersuchungshaft sei „nicht nachvollziehbar“.

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