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Erste Stolpersteine für Lüdenscheid

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Am Samstag werden in Lüdenscheid die ersten Stolpersteine – wie hier in Meinerzhagen – verlegt. © Foto: Först

Lüdenscheid - Sie fordern zum Nachdenken auf, fördern das Andenken und regen zum Innehalten an: Die sogenannten Stolpersteine, eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig, werden seit den 1990-er Jahren in ganz Europa verlegt – im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. Am kommenden Samstag erhält nun auch Lüdenscheid seine ersten Stolpersteine.

Auf Initiative des Vereins „Ge-Denk-Zellen“ kommt Demnig selbst in die Bergstadt, um ab 15.30 Uhr sieben Steine zu verlegen. Wie berichtet, hatte der Verein „Ge-Denk-Zellen“ Anfang des Jahres einen entsprechenden Antrag gestellt, der vom Rat auch befürwortet wurde. Aus zunächst drei geplanten Stolpersteinen wurden im Laufe der Vorbereitungen durch den Verein schließlich sieben. 

Sie werden in Erinnerung an die ermordeten oder vertriebenen jüdischen Bürger am Samstag an der Wilhelmstraße 51, am Kirchplatz 11 sowie an der Luisenstraße 21 verlegt – den letzten freiwillig gewählten Lebensorten folgender NS-Opfer: 

Ella Noach, Jahrgang 1887, die 1943 nach Auschwitz deportiert und am 31. Januar 1944 ermordet wurde;

Sigismund Noach, Jahrgang 1883, der 1943 nach Sobibor deportiert und am 30. November 1943 ermordet wurde;

Rita Noach, Jahrgang 1923, die 1943 nach Auschwitz deportiert wurde und befreit werden konnte; 

Emilie Scheelen, Jahrgang 1896, die aufgrund einer Behinderung zwangssterilisiert, 1943 in die Heilanstalt Hadamar eingewiesen und am 9. Januar 1943 ermordet wurde; 

Werner Kowalski, Jahrgang 1901, der im Widerstand kämpfte, 1940 in Frankreich verhaftet und bei einem Fluchtversuch am 1. Juli 1943 erschossen wurde; 

Charlotte Kowalski, Jahrgang 1908, kämpfte im Widerstand, kehrte nach der Flucht nach Belgien 1942 zurück und überlebte dank Unterstützung;

Helma Kowalski, Jahrgang 1929, floh ebenfalls nach Belgien, kehrte 1942 zurück und überlebte dank Hilfe. 

„Stolpern fördert“ – mit dieser Intention erinnern die in das Pflaster eingelassenen Steine an die Opfer. Eine Metallplatte trägt die Namen, Lebensdaten und mutmaßlichen Orte des Todes der Verstorbenen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Die Stolpersteine sollen das Andenken an die Opfer des NS Regime fördern, das Nachdenken über die Würde des Menschen, über eine Zeit, in der Rassismus immer wieder aufkeimt und zu Menschenverachtung führt, heißt es von Seiten des Vereins „Ge-Denk-Zellen“. 

„Stolpern wir in diesem Sinne: Halten inne im Gedenken an die Opfer, aber auch im Nachdenken über uns und unsere Zeit.“ Jeder sei eingeladen, an der öffentlichen Verlegung der Stolpersteine am Samstag teilzunehmen. Neben dem Künstler Gunter Demnig werden auch Vertreter der Stolperstein-Initiative aus Meinerzhagen und Kierspe an der Verlegung teilnehmen. 

Wer sich für die weitere Verlegung von Stolpersteinen engagieren möchte, kann sich mit den Vereinsmitgliedern unter www.ge-denk-zellen-altes-rathaus.de in Verbindung setzen.

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