Neustart braucht Zeit

Erst Hochwasser, dann Brand: So geht es im Hotel Passmann weiter

Im August brannte es in der Küche des Restaurants Passmann. Nach Corona-Zwangspause und Hochwasser-Schäden musste das Haus erneut schließen.
+
Im August brannte es in der Küche des Restaurants Passmann. Nach Corona-Zwangspause und Hochwasser-Schäden musste das Haus erneut schließen.

„Aufgeben war nie eine Option“ schreibt Silke Passmann in ihrer „Baustellen-Chronik“ auf Facebook, nachdem die Familie mit ihrem Hotel und Restaurant in Brügge mit Corona, Hochwasser und Küchenbrand das wohl schwerste Jahr ihrer mehr als 80-jährigen Gastronomiegeschichte durchmachen musste.

Lüdenscheid - „Ich bin ein relativ positiv denkender Mensch“, sagt Silke Passmann. Viel könne jetzt wohl nicht mehr kommen.

Der Wille zum Durchstarten ist da, aber der Weg ist lang, viel länger als gedacht. Anpacken, räumen, motivieren, neu planen und warten – das ist der Tageslauf. „Alles ist sehr komplex und umfangreich. Das ist schon ‘ne Nummer“, erzählt sie. Das Problem seien unendliche Lieferzeiten und fehlende Handwerker: „Wir hängen noch etwas in der Luft; man ist hilflos. Du bist auf andere Leute angewiesen.“

Nach unzähligen Anrufen bei Handwerksbetrieben geht es nun zumindest langsam weiter. Raum für Raum. Derzeit gehe es im Keller vorwärts, wo unter anderem die Heizungsanlage, Waschmaschinen, Mangel, Trockner, Pumpen und Vorräte in der dreckigen Brühe des Hochwassers versanken. Nun ist ausgeräumt, getrocknet, und es wird neu verfliest. Schritt für Schritt geht’s voran. Weil die Heizung kaputt ist, gibt es Überlegungen, auf Photovoltaik zu setzen – die nächste Planungsbaustelle. Weil die Heizung kaputt ist, ist aber auch eine Teilöffnung wenigstens des Hotels undenkbar, zumal die Möglichkeiten fehlen, zumindest ein Frühstück anzubieten. „Ohne Frühstück macht das keinen Sinn“, sagt Silke Passmann.

Gerätemangel: Hoher Bedarf in Flutgebieten

Denn wann die Küchengeräte kommen, steht auch noch in den Sternen. Die Nachfrage hierfür sei ebenfalls groß, hat sie festgestellt. Unzählige Gastronomien in den Flutgebieten hätten Bedarf. Doch nach dem Küchenbrand sind die Geräte nicht mehr zu gebrauchen. Eine Spezialfirma könnte sie zwar sanieren – für die Hälfte des Neupreises, jedoch ohne Garantie auf die Funktionsfähigkeit. Das ist ihr zu unsicher: „Ich breche jetzt nichts übers Knie.“ Die neue Küche muss 20, 30 Jahre halten, da ist genaue Planung wichtig. Dazu kommt, dass der Bestandsschutz wegfällt. Die neuesten Auflagen gelten, was Aufwand und Kosten nochmals erhöht. Viel Planung also, wenig sichtbare Ergebnisse. Das frustriert: „Es passiert halt nichts.“

Ihre Mitarbeiter sind ihr wertvollstes Gut. Die will sie unbedingt bei der Stange halten. „Die Leute brauche ich, die halte ich, die bezahle ich durch. Wenn es wieder losgeht, muss ich doch Personal haben“, sagt sie. Zudem ist der Azubi in einem anderen Ausbildungsbetrieb untergebracht, ein Koch sammelt Italien-Erfahrung. Irgendwie geht alles. Doch bei allem Optimismus ist sie auch realistisch. Auch wenn alles so schnell wie möglich wieder laufen soll – das Weihnachtsgeschäft hat sie abgesagt. „Wir gehen von Mitte Januar aus“, hofft sie. Auch wenn die Öfen erst für Februar/März angekündigt sind – für kurze Zeit könnte man sich mit Leihgeräten behelfen. Hauptsache, es geht wieder los. Mit dem Alltag. Der Normalität. Der Gastgeber-Rolle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare