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Erst Corona und jetzt das! Verbot von Tattoo-Farben alarmiert Tätowierer im MK

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Von: Olaf Moos

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Tätowierer Dirk Schwarz vor seinem Tattoo-Studio
Bunte Tattoos sollen ab Januar verboten sein. Dirk Schwarz ist überzeugt: „Dann können viele aus unserer Branche dichtmachen.“ © Cedric Nougrigat

Tätowierungen in den schillerndsten Farben sind beliebter denn je – aber bald legal kaum noch zu kriegen. Laut Plänen der Europäischen Union sollen nach Medienberichten die meisten der aktuell handelsüblichen Tattoo-Farben als „gefährlich“ eingestuft und ab 4. Januar verboten werden. In der Lüdenscheider Tattoo-Szene läuten die Alarmglocken.

Lüdenscheid - „Erst Corona – und jetzt das auch noch!“ Tätowierer Dirk Schwarz, seit 26 Jahren mit seinem Studio an der Worth-Kreuzung ansässig, sieht die Zukunft in düsteren Farben. „Dann bleibt nichts anderes als Schwarz.“

Die Farben, die er einkauft, tragen auf dem Etikett bereits den Vermerk „Bis 4. Januar 2022 verwenden“. Schwarz beruft sich auf das Bielefelder Labor CTL, das Tattoo-Farben nach eigenen Angaben seit 20 Jahren auf Unbedenklichkeit überprüft und für den Markt freigibt. Den EU-Vorstoß kann der Lüdenscheider Tätowierer deshalb nicht nachvollziehen.

Die Konsequenzen sind für Dirk Schwarz bitter. „Dann können viele aus unserer Branche dichtmachen.“ Die EU-Bürokratie sei außerdem im Begriff, das Geschäft der „illegalen Stecher“ zu fördern, die ohne Zulassung „in Kellern und Garagen“ Kunden bedienen und weiter bunte Hautbilder verkaufen. „Oder die Kunden fahren einfach in die Schweiz, wo die neuen Einschränkungen nicht gelten, weil die Schweiz der EU nicht angehört.“

Auch Sem Keuchen, Inhaber des „House of Tattoo“ an der Thünenstraße, ist überzeugt, dass die illegale Szene wachsen wird. „Tätowieren wird niemals sterben, und es wird bunt bleiben.“ So lange Alkohol und Zigaretten erlaubt bleiben, sagt Sem Keuchen, sei ein Verbot von Farben „idiotisch“. Der Tattoo-Artist: „Man darf sich aber mit Tabak die Lunge ruinieren oder sich totsaufen.“ Niemand werde gezwungen, sich tätowieren zu lassen, „es ist die eigene freie Entscheidung jedes Einzelnen“.

Hintergrund für die Verbotsempfehlung ist nach einem Bericht des Berliner Kuriers, dass die Pigmente in der Kosmetikverordnung für Haarfarben verboten sind. Tattoo-Farben gelten zwar nicht explizit als Kosmetika, werden aber dazu gezählt. Deshalb soll hierfür ebenfalls ein Verbot kommen. Tätowierungen könnten unerwünschte gesundheitliche Folgen haben wie Infektionen, Entzündungen, Narben und Allergien, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertungen. Zudem seien Langzeitwirkungen möglich, über die bislang kaum Erkenntnisse vorliegen.

Auf der Homepage des Bundesverbandes Tattoo schreibt dessen Vorsitzender Urban Slamal unter anderem: „Letztlich wird die Branche derzeit kaum etwas anderes tun können, als mit einem langen Atem den eigenen Betrieb irgendwie aufrechtzuerhalten und zu hoffen, dass sich die Vollzugsebene betreffend die neuen Regeln als weniger belastend darstellt als die Normebene.“ Betroffene, rät der Vorsitzende, sollten sich auf europäischer Ebene juristisch gegen die Einschränkungen wehren.

Der Lüdenscheider Tätowierer Frank Rehle, Betreiber des Studios „Old Style Tattoo“ an der Volmestraße in Brügge, bleibt angesichts des bevorstehenden Verbotes von Farben gelassen. „Was soll ich groß dazu sagen? Dann machen wir in Zukunft halt nur noch schwarz-weiße Tattoos. Na und!?“

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