Erschließung Am Kamp und Weidengrund

Bürgerinfo in Brügge endet ergebnislos und mit Abbruch 

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Unvergessen: die Kanalbaustelle Am Kamp über anderthalb Jahre.

Brügge - Eine Bürgerinformation in Brügge ist am Dienstag ergebnislos gescheitert. Statt Informationen gab es einen vorzeitigen Abbruch. 70 bis 90 Besucher, deutlich mehr als erwartet, drängten sich in der Vereinshalle, verstanden aber mangels Lautsprecheranlage nichts.

Von Florian Hesse

Vergessen worden war auch die Presse, die als interessierte Öffentlichkeit gerne über den Sachstand Am Kamp und am Weidengrund berichtet hätte. Denn die Anwohner fürchten offenbar um ihre Existenz. Es geht um die Erstherstellung der kleinen Wohnstraßen mit zum Teil großen Grundstücken. Diese Grundstücksgröße aber ist entscheidend für den Beitrag, der von ihnen bezahlt werden muss. Die Stadt hat ihn mit 90 Prozent der Kosten angesetzt.

Was und wann etwas passiert, hätten die Betroffenen gerne am Dienstag erfahren. Doch selbst in der ersten Reihe sei kaum etwas zu verstehen gewesen, geschweige denn am Rand oder in den hinteren Reihen, sagt beispielsweise Jürgen Bohnsack, der 250 Kilometer angereist war und sich eigens Urlaub genommen hatte. „Das ist bösartig, wenn man die Leute so auflaufen lässt, eine reine Zeit- und Geldverschwendung“.

Großes Grundstück, hoher Beitrag

Dabei gibt es aus Sicht der Anwohner eine ganze Reihe inhaltlicher Fragen. Üblich seien sonst Beiträge zwischen 50 und 80 Prozent. Warum in ihrem Fall der Höchstsatz geltend gemacht werde, hat ein anderer Anlieger schon bei der Stadt angefragt. Und immerhin sei die Decke der Fahrbahn kürzlich erst durch den SEL im Rahmen einer Kanalbaumaßnahme hergestellt worden. Diese Leistung werde nun wieder zunichte gemacht. Stattdessen hätte man die Fahrbahn damals vernünftig fertigstellen können. Kaputtgefahren worden seien die Straßen nicht zuletzt durch den schweren Lkw-Verkehr mit Tausenden Bewegungen zur nahen Müllkippe, keineswegs aber durch die Pkw der Anwohner. Auch vor diesem Hintergrund sei die Kostenverteilung kritisch zu betrachten.

Wirtschaftlich ins Gewicht falle zudem, dass die Grundstücke in der Regel vor 35 bis 40 Jahren erworben wurden, teilweise bis zu 1000 Quadratmeter und mehr groß. Für ältere Betroffene werde es aber schwer, einen erheblichen Kredit von der Bank zu bekommen.

Wie es weitergehen soll, werden die Anwohner wohl mit Verspätung erfahren. In Aussicht steht eine Versammlung in wenigen Wochen, dann aber im Rathaus und mit Lautsprechern.

Neuer Info-Termin im Rathaus

Von tumultartigen Zuständen will Dieter Rotter, Leiter des Bereichs Bauservice bei der Stadt, nach der Bürgerversammlung in Brügge nicht reden. Organisatorische Pannen dagegen räumt er ein, darunter insbesondere den Verzicht auf eine Lautsprecheranlage.

Neuer Termin für eine Info-Veranstaltung wird voraussichtlich der Mittwoch, 4. März, um 18 Uhr werden, dann aber im Rathaus. Dieser Termin diene der allgemeinen Information über das Vorhaben. Darüber hinaus bestehe für die betroffenen Anwohner die Gelegenheit, Fragen zu Einzelfällen nach Terminabsprache im persönlichen Gespräch oder am Telefon (Tel. 17 13 39) zu erörtern.

Zahlreiche Bürger hätten sich bereits bei ihm gemeldet, um offene Fragen zu klären. Dazu zähle in der Regel auch die nach der Höhe der Beteiligung vom 90 Prozent. Dies gelte für die erstmalige Herstellung der vorhandenen „Baustraßen“ nach Baugesetzbuch, die sich unterscheide von einer nachmaligen Herstellung und einer niedrigeren Beteiligung nach dem Kommunalabgabengesetz.

Auch konkrete Zahlen nannte Rotter im LN-Gespräch. Für die Straße Am Kamp geht es um Gesamtkosten von 623 000 Euro, für den Weidengrund um 390 000 Euro. Abgezogen davon werde der städtische Anteil von 104 000 beziehungsweise 64 000 Euro. Bei diesen Summen handele es sich um einen Voranschlag für die komplette Neuerstellung. Soweit vorhandene Anlagen mit- und weitergenutzt werden könnten, reduziere sich der Ansatz, so dass Rückerstattung wahrscheinlich seien: „Wir müssen beispielsweise nicht die Fahrbahn 80 Zentimeter tief auskoffern.“

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