Großer Besucherandrang zur Eröffnung

Haare, Hippies, Heimat - Die Ausstellung „Pop und Pille“

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Der Kuba-Komet des in Wolfenbüttel beheimateten Unternehmens Kuba-Imperial verband die Eleganz der Ausstattung des Raumschiffs Orion mit dem Wunsch, die Unterhaltungselektronik der sechziger Jahre in einem Tonmöbel zu vereinen.

Lüdenscheid - Viel Leidenschaft löst das Thema „1968“ bis heute aus. Entsprechend groß war am Sonntag das Interesse an der Eröffnung der Ausstellung „Pop und Pille“ in den Museen der Stadt am Sauerfeld.

Es war ein sehr persönlicher Rückblick auf die Kulturrevolution der späten 60er Jahre, mit dem Bürgermeister Dieter Dzewas in das Themenfeld rund um Haarlängen, Hippies und eine „heftige Abrechnung mit der vorangegangenen Generation“ einführte. 

Er erinnerte an den damaligen Stadtjugendpfleger Gottfried (Gotti) Schumann, der mit dazu beitrug, dass Lüdenscheid sich das Prädikat „Beat-Hochburg des Sauerlandes“ verdiente. Und an Auftritte von Gruppen wie den Lords, Amon Düül und Embryo. In dieser illustren Reihe durfte auch der desaströse Auftritt der Rocker von Deep Purple in der Schützenhalle nicht fehlen, bei dem das Publikum die Bühne stürmte. 

Die „Pille“ im Ausstellungstitel war Anlass für ein Lob: „Sie bot Gelegenheit, außerhalb der Tanzschule Kontakte zu vertiefen.“ An diesem Punkt kam der Staatsmann im Bürgermeister zum Tragen, als Dieter Dzewas feststellte, dass dennoch „neue Bürgerinnen und Bürger entstanden“. Die Ausstellung habe die 68er-Zeit ein Stück weit der Vergessenheit entrissen: „Viele der Themen sind aktueller, als man glaubt.“

Großer Aufmerksamkeit erfreuten sich die automobilen Schmuckstücke der Ausstellung. Neben diesem Porsche weckte vor allem der VW-Bulli „Samba“ mit Eriba-Puck-Anhänger Begehrlichkeiten.

Kuratorin Ursula Delhougne dankte den Sponsoren und den vielen privaten Leihgebern, die „Pop und Pille“ erst möglich machten. „Es ist eine Ausstellung der Bürger dieser Stadt“, freute sie sich. Zu „dem“ Gegenstand der Ausstellung kürte sie das Röhrenradio: „Ich hätte (die 68er Version von) Radio Lüling an der Werdohler Straße hier eins zu eins aufbauen können.“ 

Ein Dank für seine Vorarbeiten ging an Dr. Dietmar Simon, der aus den „besten Jahren“ seiner Jugend gemeinsam mit dem plötzlich verstorbenen Michael Nürenberg ein Buch gemacht hatte. Eine höchst informative Einführung in das Thema „1968“ lieferte Prof. Detlef Siegfried von der Universität Kopenhagen. Er warnte vor dummen Sprüchen wie diesem: „Trau keinem über 30!“ 

Denn nicht zuletzt das Beispiel von „Gotti“ Schumann zeige, dass nicht nur Stadtjugendpfleger jenseits der 30 Veränderungen anstießen und die Jugend in ihrer Rebellion gegen den noch nicht verschwundenen Muff aus tausend Jahren unterstützten. Nicht haltbar sei auch der Gegensatz von fortgeschrittener Stadt und rückständigem Land. „Das waren keine Nachzügler.“ Kämpfende Bauern und Winzer in der Anti-Atomkraft-Bewegung waren Anlass für die Wiederentdeckung der Heimat. „Diese ganze Geschichte ist komplexer als man glaubt“, lautete Detlef Siegfrieds Fazit.

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