Kulturhaus-Umbau

Klaus Crummenerl hat „ernste Sorge“ um Stadtentwicklung

Lüdenscheid - Er fühlt sich dem Kulturhaus „seit seiner Planung und Entstehung in besonderer Weise verpflichtet“. Deshalb hat sich Lüdenscheids früherer Stadtdirektor Klaus Crummenerl jetzt „als Bürger“ schriftlich an den „Lieben Dieter“, an Bürgermeister Dieter Dzewas gewandt.

In dem dreiseitigen Brief geht es ihm vor allem darum, dass er „aus ernster Sorge um die Entwicklung unserer Stadt“ um einen Aufschub einer womöglich weit reichenden Ratsentscheidung bittet – „um eine offene Diskussion mit der Bürgerschaft und einen sachlichen Austausch aller Argumente zu ermöglichen“.

Gerade das sieht er angesichts „vager Vorträge“ und fehlender Unterlagen derzeit nicht gegeben. Die „großartige Atmosphäre“ des Kulturhauses werde durch die geplanten Umbaumaßnahmen, deren konkrete Planungen der Öffentlichkeit vorenthalten würden, zunichte gemacht. 

Klaus Crummenerl, Stadtdirektor a.D., sorgt sich um die Zukunft des Kulturhauses.

Denn, so führt Crummenerl weiter aus, es gehe nicht nur um den Umbau der Gaststätte und der Säle, auch das Foyer solle mit einer eingezogenen Zwischenwand erheblich verkleinert werden. „Und das“, fragt Crummenerl, „soll den Charakter des Kulturhauses nicht verändern?“ „Seltsam berührt“ zeigt er sich auch davon, dass für die VHS-Pläne die derzeit von einer Kampfsportschule genutzten Räume keine Rolle spielten, wie er schreibt.

Klaus Crummenerl sieht nicht nur ein „unvergleichliches Kleinod“ gefährdet: „Damit wird die urbane Infrastruktur der Stadt an einer entscheidenden Stelle in nicht vertretbarer Weise geschwächt.“ Schützenhalle und Mercure-Hotel hält er nicht für angemessene Ausweichquartiere für Tagungen und Kongresse in einer Mittelstadt. „Lüdenscheid“, so sein Fazit, „orientiert sich mit dem Umbau des Kulturhauses an kleinstädtischen Maßstäben.“

Nicht gelten lässt er das Argument, man könne die Umbauten jederzeit zurückbauen: „Man investiert eine halbe Million, um Schäden zu verursachen, die man anschließend mit noch höherem Aufwand wieder restaurieren will!“ Zudem bildeten die unterschiedlichen Funktionen des Mehrzweckgebäudes ein miteinander verschränktes System: „Bricht man einzelne Teile heraus, werden auch die verbleibenden Teile instabil, weil sich Atmosphäre, Funktion und bauliche Gestaltung gegenseitig bedingen.“ Den Effekt sieht er bereits heute anhand des Restaurant-Leerstandes: Manche Besucher mieden das Haus, weil das Angebot fehle.

Er empfiehlt schließlich, auf Zuschussbeträge „dankend zu verzichten“, denn es gehe um ein Kernanliegen der kommunalen Selbstverwaltung: „Es ist fatal, wenn man sich nur im Blick auf finanzielle Zuschüsse dazu hergibt, ein Juwel städtischer Infrastruktur unwiederbringlich zu opfern.“

Letztendlich kritisiert Lüdenscheids früherer Stadtdirektor auch das „Fehlen einer umfassenden integrierten Stadtentwicklungskonzeption“. Das führe zu unkoordinierten Einzelfall- und damit Fehlentscheidungen: „Es war ein Fehler, die VHS aus der alten Medardusschule zu verbannen. Es wäre noch schlimmer, den Fehler durch eine funktionale und gestalterische Zerstörung des Kulturhauses zu korrigieren. Es war ein Fehler, mit Millionenaufwand im Rathaus ein sog. Bürgerforum zu etablieren, das weder über eine Garderobe noch über ausreichende Wasser- und Abwasseranschlüsse verfügt. Es wäre noch schlimmer, wenn der Fehler heute zum Anlass genommen wird, die Notwendigkeit von Tagungsräumen im Kulturhaus zu bestreiten.“

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