Lüdenscheider mit Amphetaminen erwischt

Erneute Bewährungsstrafe „mit Bedenken“

Lüdenscheid - Das Schöffengericht verurteilte einen Lüdenscheider trotz Vorstrafen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten – „mit Bedenken“. Der 44 Jährige war mit Amphetaminen erwischt worden.

Zu Fuß bewegte sich ein 44-jähriger Lüdenscheider am 14. April entlang der Kölner Straße. Polizeibeamte – warum auch immer – kamen auf die Idee, den Inhalt seines Rucksackes sehen zu wollen und fanden darin eine Thermoskanne mit einer recht ordentlichen Menge an Aufputschmitteln: Genau 36,85 Gramm Amphetamin wog das beauftragte Labor. Bei einem Wirkstoffgehalt von 35,3 Prozent ergab sich eine wirksame Menge der Droge von 13 Gramm – drei Gramm über den zehn Gramm, die das Gesetz noch als geringfügige Menge ansieht. Der Angeklagte zeigte sich im Amtsgericht Lüdenscheid uneingeschränkt geständig und erklärte, dass er das ganze Zeug selber konsumieren wollte.

So konnte sich das Schöffengericht ausführlich mit seiner Geschichte und den fünf vorangegangenen Verurteilungen wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln beschäftigen. Jedes Mal hatte es Geldstrafen gegeben. Drei davon hatte der Angeklagte absitzen müssen, weil er sie nicht bezahlen konnte. Vier Monate verbrachte er in der Justizvollzugsanstalt Attendorn im geschlossenen Vollzug.

Richter Jürgen Leichter ahnte, dass das eher unerfreulich war: „Das ist nicht schön, weil man da nicht rauskommt.“

Der 44-Jährige hatte sich natürlich schon einige Male vorgenommen aufzuhören, war gescheitert und hatte weiterhin Amphetamine geschluckt. Doch bevor der ganze Schlamassel etwa 2013 losging und er arbeitslos wurde, hatte er ein durchaus unauffälliges Leben mit beruflichen Perspektiven geführt: Der 44-Jährige wusste noch sehr genau, in welchen Firmen er nach seiner Ausbildung tätig gewesen war.

Das Schöffengericht wertete die Tat als minderschweren Fall und rang sich trotz der Vorstrafen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten durch – „mit Bedenken“, wie der Vorsitzende bekanntgab. Doch bisher sei der Angeklagte noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Drei Beratungssitzungen bei der Drogenberatungsstelle sollen Perspektiven aufzeigen, von der Sucht dauerhaft loszukommen und die Haftstrafe nicht absitzen zu müssen. 150 Sozialstunden sollen den Angeklagten zudem daran erinnern, dass es im Leben noch anderes gibt als zuhause herumzusitzen oder an der Kölner Straße entlang zu wandern.

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