Ermittlungen gegen Drückerkolonne: „unitymedia“-Außendienstler gefeuert

Dieser Endverzweiger der Telekom an der Lennestraße wurde mutmaßlich von „unitymedia“-Außendienstlern vorsätzlich zerstört.

Lüdenscheid - Langsam lichtet sich das Dunkel um die Vorgänge mit den drei Außendienstvertretern des Kabelnetzbetreibers „unitymedia“ an der Lennestraße. Nach Auskunft von Pressesprecher Olaf Winter ist das Trio inzwischen fristlos gefeuert.

Die drei Männer mit „unitymedia“-Dienstausweisen hatten am Abend des 18. August in drei Mietshäusern des Schalksmühler Hauseigentümers Klaus Sandmann für Ärger, Verunsicherung, Sachschäden und letztlich einen Polizeieinsatz gesorgt (wir berichteten). Nach Darstellung der Mieter wollten die Männer neue Verträge abschließen und bedienten sich rüder Methoden, um an Unterschriften zu kommen. In einem Fall sollen sie auch nicht vor Urkundenfälschung zurückgeschreckt sein.

Nach dem Besuch des Trios fand Vermieter Sandmann unter anderem einen zerstörten Endverzweiger der Telekom am Hausanschluss vor. Zuvor hatten die Außendienstler einer Mieterin gegenüber gedroht: „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in fünf Minuten nicht mehr telefonieren können und kein Internet mehr haben.“ Die Polizei stellte die Personalien der Männer fest und ließ sie dann laufen.

Wie „unitymedia“-Sprecher Winter gegenüber der Redaktion erklärt, waren die drei Tatverdächtigen Mitarbeiter eines Unternehmens, das als Vertriebspartner im Auftrag des Kölner Konzerns tätig ist. „Die drei Herren wurden von ihrem Arbeitgeber zu Stellungnahmen aufgefordert und fristlos gekündigt.“ Außerdem sei Strafanzeige erstattet worden.

Weiter erklärt Olaf Winter, solche Methoden „decken sich in keinster Weise mit der Arbeitsweise in unserem Unternehmen.“ Die Mitarbeiter im Außendienst würden ausführlich mit den Produkten vertraut gemacht und im Umgang mit Kunden geschult.

Inzwischen hat Klaus Sandmann für einen der Mieter, die sich von der rüden Werberei der Männer haben überrumpeln lassen und einen neuen Vertrag unterschrieben haben, einen Auftragswiderruf nach Köln geschickt. An den „unitymedia“-Vorstand schreibt der Vermieter unter anderem: „Ihre Drückerkolonne ist nicht gerade kundenfreundlich mit meinen Mietern umgegangen und hat Vertragsleistungen abgeschlossen, mit denen die Betroffenen nichts anfangen können.“

Am Montag drückte das Serviceteam von „unitymedia“ gegenüber Sandmann „Bedauern“ aus. Man habe „nicht ausfindig machen“ können, „welcher (...) Vertriebsmitarbeiter bei Ihnen vor Ort war“. Sandmann bezeichnet das als „lächerlich“. Fünf Tage zuvor hatte er die Namen des Trios an das Unternehmen weitergeleitet, inklusive polizeiliches Aktenzeichen.

Die Ermittlungen gegen die Verdächtigen laufen. Neben Nötigung, Hausfriedensbruch und Urkundenfälschung kommt offenbar auch die vorsätzliche Störung von Telekommunikationsanlagen in Betracht – ein Offizialdelikt, das Polizei und Staatsanwaltschaft als „gemeingefährliche Straftat“ zu verfolgen verpflichtet sind. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

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