Ermittlungen eingestellt: Flüchtling ist unschuldig

LÜDENSCHEID ▪ Es war wohl die spektakulärste Flucht des vergangenen Jahres. Jetzt, elf Monate, nachdem ein Mann aus Meinerzhagen während der Vernehmung aus einem Fenster der Polizeiinspektion gesprungen und abgehauen war (wir berichteten), wird seine Akte zugeklappt. Wie Strafverteidiger Dirk Löber bestätigte, hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten eingestellt.

Im Februar brachte die Kripo den damals 24-Jährigen nach Lüdenscheid. Ein 16 Jahre altes Mädchen hatte ihn beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Der Mann wies die Vorwürfe von sich. Während der Vernehmung im Erdgeschoss der Inspektion an der Bahnhofstraße täuschte er Unwohlsein und Kreislaufprobleme vor. Nachdem der Beamte darauf den Raum verließ, um Wasser zu holen, machte sich der Beschuldigte durchs Fenster aus dem Staub. Eine Sofortfahndung blieb ohne Ergebnis.

Doch fünf Tage später tauchte der Meinerzhagener wieder auf, diesmal in Begleitung seines Rechtsanwaltes. Auf dessen Rat schwieg er nun zu den Vorwürfen. Während er auf freiem Fuß blieb, nahm das Ermittlungsverfahren seinen Lauf. Unter anderem hatte Rechtsanwalt Löber ein Glaubwürdigkeits-Gutachten beantragt. Ergebnis laut Löber: „Die Angaben der Schülerin aus Meinerzhagen sind nicht glaubhaft.“

Ein Umstand, der jetzt zur Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten geführt hat. Im Februar 2011 hatte Löber gesagt: „Die Flucht vor den Ermittlungsbehörden ist nicht gleichzusetzen mit einem Schuldeingeständnis.“

Nach der Flucht hatte sich der Polizeipressesprecher zunächst „aus dem Fenster gelehnt“ und bauliche Konsequenzen verneint. Inzwischen liegt das Vernehmungszimmer der Kriminalwache nach LN-Informationen im dritten Stock.

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