Ermahnung statt Strafe nach Prügelattacke

LÜDENSCHEID ▪ Mit einer Ermahnung kam ein 19-Jähriger vorm Amtsgericht davon, obwohl er betrunken auf eine junge Frau eingeschlagen hatte.

Der junge Mann war betrunken. Zu betrunken, um zu erkennen, dass der vermeintliche junge Mann, der ihm gegenüberstand, in Wirklichkeit eine junge Frau war. Aber betrunken genug, um ohne Sinn und Verstand draufloszuprügeln. Anschließend entschuldigte sich der Täter gleich mehrmals beim Opfer – ein Unrechtsbewusstsein konnte ihm deshalb gestern vor Gericht nicht abgesprochen werden. Wegen Körperverletzung musste sich der 19-jährige vor dem Jugendschöffengericht verantworten, und er hatte Glück, dass er dort auf ein gewisses Wohlwollen traf.

Denn immerhin konnte er von einer Drogentherapie berichten, in der er seit zwei Monaten behandelt wird. „Ich will ein drogenfreies Leben führen“, beteuerte er vor Gericht, und die Jugendgerichtshelferin hatte gute Gründe, ihm eine Ermahnung mit auf den Weg zu geben: „Viel Arbeit kommt noch auf ihn zu.“

Mit zwölf Jahren hatte der junge Mann seine ersten Alkoholerfahrungen gemacht, kurz darauf kamen Betäubungsmittel hinzu. Amtsgerichte verhängten kleinere Jugendstrafen wegen Beleidigung und Bedrohung, ein Jugendarrest wurde verbüßt, und im Jahr 2011 kam eine Verurteilung wegen des Besitzes von Marihuana hinzu.

Da die Bewährung für zwei Jugendstrafen noch lief, verzichteten Staatsanwältin und Jugendschöffengericht auf eine weitere Verurteilung wegen der Prügelattacke, die glücklicherweise keine allzu ernsten Folgen gehabt hatte. Verbunden mit der vorläufigen Einstellung des Verfahrens mahnte Richter Wolfram Arnold: „Auch betrunken darf man keine Straftaten begehen.“ Es gelte nun für den 19-Jährigen erst seine Drogentherapie und dann seine laufende Bewährungszeit durchzuhalten. ▪ thk

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