Weihnachtsbriefe von Brigitta Gottmann

„Erinnerung an einen Kindheitstraum“

Brigitta Gottmann

Lüdenscheid - Brigitta Gottmann, Landesfrauenreferentin der Sudetendeutschen Landsmannschaft in NRW und Trägerin der Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid, schreibt zur Weihnachtszeit sowohl an die Mitglieder in NRW als auch als Ortsbetreuerin weit mehr als 100 Briefe an ihre Landsleute in der ganzen Welt.

„Ein beigelegtes zweites Blatt mit der Geschichte ‚Erinnerung an einen Kindheitstraum‘ erhalten die verbliebenen Deutschen und tschechische Christen in der Tschechischen Republik und auch die ehemaligen Dorfbewohner meines Geburtsortes (Schwaden Kreis Aussig/ Svadov Okres Usti),“ erzählt Gottmann, die in diesem Monat in München in die Bundesversammlung der Sudetendeutschen. Landsmannschaft gewählt wurde.

Die LN veröffentlichen im Folgenden die „Erinnerung an einen Kindheitstraum“:

„Durch das geeiste Glas meines Fensters gleitet mein Blick hinaus über die schneebedeckten Felder. Der fast silbrig schillernde Schnee hüllt wie ein warmes Winterkleid den Rest der Tannen ein, und aus der Ferne erreichen mich die warmen Lichter aus anderen Fenstern. Irgendwo aus einem alten Schornstein steigt Rauch auf. Rauch, in dem sich alle himmlischen Düfte von Anisplätzchen, Weihrauch und Bratäpfeln vermischen. Mein Blick folgt den Rauchwolken. Wohin wird der Dezemberwind sie treiben? Wird er die Düfte in ein fernes Land bringen? Wird er die Menschen dort mit Friedlichkeit einhüllen, sie mit der Stille betören und mit den Düften an eine Zeit erinnern, in der auch sie noch Träume hatten?

In diesen stillen Augenblicken, begleitet vom lautlosen Fallen der weißen Flocken, erinnere ich mich an unseren Kindheitstraum. Der Traum vom hell glänzendem Christkind, das jedes Jahr kam und uns die Erfüllung unserer Wünsche brachte.

Im Laufe der Jahre haben wir diesen Traum verloren. Doch in dieser Zeit, wo das Jahr alt wird, der Mond sein sattes Licht auf unsere verschneite Erde wirft, in dieser Zeit nimmt der Traum für mich wieder Gestalt an. Fast scheint es, als strecke das Christkind mir die Hände entgegen, um uns etwas zu geben.

Ich denke, vielleicht gibt es uns den Frieden, damit Menschen nicht Opfer sinnloser Kriege werden.

Menschlichkeit, damit wir nicht zulassen, dass auf dieser Erde Menschen verhungern oder gar leiden müssen. Vielleicht gibt es uns Klugheit, damit wir zur Besinnung kommen, dass auch unsere Welt sterblich ist und wir die Verantwortung haben, sie zu erhalten.

Dass wir versuchen, wieder etwas Ordnung in unseren aus den Fugen geratenen Erdball zu bringen und als Menschen lernen, miteinander und nicht gegeneinander zu leben.

Das sind auch meine Wünsche für die diesjährige Weihnacht, und während wir auf die Schneeflocken warten und die Heilige Nacht uns mit Licht erfüllt, hoffe ich, dass unsere Träume und Wünsche in Erfüllung gehen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute im Neuen Jahr, Gesundheit, Zufriedenheit und Gottes Segen wünscht

Brigitta Gottmann“

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