Stark besuchte Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

„Erinnerung ist wie eine Haut“

LÜDENSCHEID - Gebet, Erinnerung, Schweigen, Musik, Literatur – und Anschauung direkt vom Ort des Verbrechens. Die Gedenkveranstaltung zum 69. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz machte für rund 100 Teilnehmer auch die Geschichte des Terrors in Lüdenscheid lebendig.

Von Olaf Moos

Im Mittelpunkt aber stand im Bürgerforum des Rathauses ein rund einstündiger Vortrag von Ewa Pasterak, Ausstellungsleiterin im Staatlichen Museum Au-schwitz-Birkenau, über Gründung, Evakuierung, Liquidierung und Befreiung.

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit ihrer Verantwortlichen Hella Goldbach, die Katholische Familienbildungsstätte, das Interreligiöse Forum sowie der Verein Gedenkzellen hatten eingeladen. Und schon in der empfindlichen Kälte der Winterdämmerung nahmen mehr als 50 Frauen und Männer an der Gedenktafel auf der Rückseite der Stadtbücherei an der ernsten Zeremonie teil.

Heiner Bruns, Leiter des Katholischen Bildungswerkes in Lüdenscheid, zitierte aus dem Buch des Theologen Norbert Reck, der die Erinnerungen der Auschwitz-Überlebenden Hanna Mandel niedergeschrieben hat. „Erinnerung“, heißt es darin unter anderem, „ist nicht wie ein Kleid, das man ablegen könnte. Erinnerung ist wie eine Haut“.

Weitgehend schweigend bewegte sich der Zug der Menschen nach der Schweigeminute an der Gedenktafel durch die Fußgängerzone zum Rathaus ins Bürgerforum. Bürgermeister Dieter Dzewas betonte in einer kurzen Ansprache vor mehr als 100 Zuhörern unter anderem den Stellenwert von Städtepartnerschaften, von lebendigen Begegnungen und Jugendaustausch, „um von vornherein jeglicher Form von Chauvinismus und Rassismus zu begegnen“. Dzewas: „Es ist noch kein Gras über die Geschichte gewachsen.“

Dafür sorgt auch das Engagement der aus dem polnischen Oswiecim (Auschwitz) stammenden Historikerin Ewa Pasterak, die der Einladung Hella Goldbachs nach Lüdenscheid gefolgt war. Die Ausstellungsleiterin macht Geschichte lebendig und berichtet plastisch auch über Alltäglichkeiten im Leben der Gefangenen im Angesicht des Todes.

Der Stimmung entsprechend umrahmten Lüdenscheider Musiker die Gedenkfeier mit eher getragenen Instrumentalstücken. Es musizierten Stefan Cieslik, Yasmin Alijah und Nicolas Leitgeb.

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