Angst vor Mietenexplosion

Erhöhung um 170 Prozent (!): 91-Jähriger soll neuen Vertrag unterzeichnen

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Fassadenschäden und Uralt-Sanitärs: Aus Mietersicht herrscht bei den Eisenbahner-Häusern an der Schlänke und der Opderbeckstraße ein Sanierungsstau.

Lüdenscheid - Ein 91-jähriger Lüdenscheider soll nach dem Verkauf der Brügger Eisenbahner-Häuser an die private Rhein-Ruhr-Invest statt bisher 139 Euro künftig 375 Euro zahlen.

Der 91-Jährige ist in seinem Sessel versunken, wirkt zerknirscht. Damit hat er nicht gerechnet. Seit fast 50 Jahren wohnt der Lüdenscheider – wir nennen ihn hier Wilhelm Panter, sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt – in seiner Brügger Wohnung. Für eine im regionalen Maßstab günstige Grundmiete – gemeint ist die Kaltmiete – von138,98 Euro monatlich. 

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Denn die neue Kaltmiete soll ab Juli 375 Euro betragen. So hat es die neue Besitzerin der Wohnungen – die Bochumer Rhein-Ruhr-Invest – Panter mitteilen lassen. Das jedenfalls erklärten im LN-Gespräch der Senior, seine Lebensgefährtin und sein Sohn. Die private Rhein-Ruhr-Invest hat die alten Brügger Eisenbahner- Häuser – in einem davon lebt auch Panter – bekanntlich von der Hagener Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft (EWG) erworben. 

Panters Sohn erzählt: „Vor rund zwei Wochen sind zwei Frauen von der neuen Wohnungsverwaltung zu meinem Vater gekommen. Die haben ihm eine Aufstellung vorgelegt, die er unterschreiben sollte und auch unterschrieben hat. Darin stand auch die Höhe der künftigen Miete.“ In Aussicht gestellt worden seien – sozusagen als Gegenleistung – neue Gasheizungen als Ersatz für die Nachtspeicheröfen, womöglich auch noch andere Modernisierungen. 

Was Panter da aber genau mit seiner Unterschrift versehen hat, ist unklar. Dazu sein Sohn: „Eine Kopie haben die Damen nicht dagelassen. Und auf die versprochene Durchschrift warte sich bisher vergeblich. Obwohl ich mehrfach bei dem Unternehmen angerufen habe. Außerdem liegt in der Straße noch gar kein Gas. Wie soll es denn da bis Juli neue Heizungen geben?“ Und Panters Lebensgefährtin ergänzt: „Mein Partner war mit dem Besuch der Frauen sichtlich überfordert.“ Sie selbst habe sich wenigstens noch schnell die neue Miethöhe notiert. 

Noch einmal Panters Sohn: „Für eine gewisse Erhöhung hätten wir ja Verständnis. Aber eine derartige Steigerung? Wie kann man so mit den Leuten umgehen?“ 

Seitens der Rhein-Ruhr-Invest gab es zu den Vorgängen in Brügge keine Stellungnahme. Eine Firmensprecherin gegenüber den LN: „Es besteht kein Interesse an einem Gespräch.“

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