Ebola: Keine Panik, aber gesteigerte Aufmerksamkeit

Arbeit im Hochsicherheitslabor (Hannover). Technische Vorkehrungen sind im Märkischen Kreis allerdings kaum vorhanden. Foto Holger Scharlach/dpa

Lüdenscheid - Es gibt keinen Anlass zur Panik, immerhin aber zu gesteigerter Aufmerksamkeit. Beim Märkischen Kreis geht man zwar davon aus, dass das Risiko einer Einschleppung von Ebola nach Deutschland gering ist, aber unvorbereitet möchte man einem solchen Szenario nicht gegenüberstehen.

„Es gibt für jede Krankheit einen Plan, was wie zu tun ist“, stellt Volker Schmidt, Fachbereichsleiter für Gesundheit und Soziales im LN-Gespräch zunächst fest. Die erste Anlaufstelle liegt in Altena bei zehn Mitarbeitern der Abteilung Gesundheitsschutz und Umweltmedizin. Sie würden zuerst tätig in einem Verdachts- oder Erkrankungsfall, müssten sich um Proben und Laborbefunde kümmern, soziale Kontakte des kritischen Erkrankungszeitraums recherchieren und für eine Isolierung sorgen. Außerdem: „Wir sind vor Ort zuständig, aber wir sind nicht alleine“, verweist Schmidt auf die vorgegebenen Meldewege, die dann in kürzester Zeit auch Landes- und Bundesministerien erreichen.

Zwei Betten im Klinikum Düsseldorf

Ganz unwichtig ist die Vernetzung nicht. In Nordrhein-Westfalen stünden aktuell an der Uni-Klinik Düsseldorf zwei Betten zur Akut-Versorgung bereit. Weitere müssten im Ernstfall geschaffen werden im Klinikum Lüdenscheid beziehungsweise in der Lungenfachklinik Hemer. In der näheren Umgebung sei zurzeit auch allein die Feuerwehr in Essen imstand, einen solchen Transport sicher durchzuführen.

Bei der Einschätzung der Gefährdungssituation bezieht sich Schmidt aber im Wesentlichen auf das Robert-Koch-Institut. Nur einer von 100 Flugpassagieren aus den betroffenen Regionen Westafrikas habe Deutschland als Reiseziel, zudem fänden dort Ausreisekontrollen statt. Ein Risiko verbleibe, dass ein Infizierter während der Inkubationszeit von 21 Tagen ausreise und die Krankheit und damit die Ansteckungsgefahr ausbreche, wenn er sein Ziel erreicht. Für afrikanische Flüchtlinge gelte daher, dass eine Gefährdung nicht anzunehmen sei, weil sie aus ihrer Heimat nach Deutschland weitaus länger unterwegs seien.

Weiterer Vorteil für Deutschland sei die Strukturen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und allgemein die Tatsache, dass Ebola-Viren nur durch den direkten Körperkontakt beziehungsweise mit Körperflüssigkeiten übertragen würden. Der Erkrankte sei nicht in der Inkubationsphase ansteckend, sondern erst, wenn er akute Symptome zeige. Letztlich ausschließen lasse sich ein solcher Fall aber für den Märkischen Kreis nicht, weiß Schmidt, der im Katastrophenfall einer von drei Leitern des Krisenstabs wäre. Und auch Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Märkischen Kreises und ebenfalls Mitglied des Stabes, warnt: „Hundert Prozent Sicherheit gibt es nicht.“

Ärzte beklagen fehlende Information

Das sehen sehr ähnlich Mediziner aus der praktischen Sicht: „Wenn es wirklich ein Problem gibt, sind wir heillos überfordert“, fürchtet ein niedergelassener Arzt in Lüdenscheid. Und wie eine weitere Kollegin, Allgemeinmedizinerin aus der Bergstadt, zeigt er sich „ein bisschen irritiert“ über den fehlenden Informationsfluss. Weder aus den Berufsorganisationen wie der Kassenärztlichen Vereinigung noch vom Kreisgesundheitsamt habe es Hinweise und Verhaltensmaßregeln gegeben. Dabei sei der wahrscheinlichste Fall der Entdeckung eines Krankheitsfalles der in einer Praxis oder der Notaufnahme einer Klinik, so die Kritik. - flo

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