Lebenslanges Liebesleid

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Lutz Görner kam mit dem nächsten Liszt-Abend und erzählte über Chopin.

LÜDENSCHEID - Ein properes Programm mit Werken Frédéric Chopin und dazu Einblicke in Franz Liszts Biographie über seinen Freund Chopin haben das Publikum im Kulturhaus trefflich unterhalten. Als vornehm zurückhaltend erwies sich dabei der Auftritt Lutz Görners, Deutschlands dienstältester wie erfolgreichster Rezitator.

Dies rückte zwangsläufig den Focus auf das abendfüllende Programm der Pianistin des Abends, Elena Nesterenko. Sie vereinte bei ihren Interpretationen von Werken Chopins Frische, Virtuosität und bestechenden Ausdruck.

Eine Mazurka als musikalische Eröffnung nach heiterer Ansage Görners, dann der Einstieg in trefflich ausgewählte Texte aus Liszts Chopin-Biographie, im späteren Verlaufe hier und da mit hilfreichen Anmerkungen versehen. Ungeachtet der musikwissenschaftlichen Diskussion, ob Chopin ein purer Romantiker war oder eben nicht, bei Liszt ist er das. Zumindest romantisch und voll „überquellender Gefühle“.

Das „Unglück der Verbannung aus Polen“ aber auch „lebenslanges Liebesleid“ erstanden als prägende Züge seiner Person. „Untröstlicher Schmerz nach untröstlichem Verlust“ habe alle Arbeiten Chopins gefärbt. Mit wohlfeiler Dramaturgie erging an dieser Stelle des Trauermarsches erster Teil. Kurz zuvor setzte es auf die Worte vom Verlust der Heimat die berühmte Etüde Nummer 12 aus Opus 10, die gemeinhin als „Revolutionsetüde“ bekannte Komposition mit dem Titel „Noch ist Polen nicht verloren“. Ein erhellendes Zusammenspiel von Kommentar, Rezitation und Musik. In Elena Nesterenko hatte Görner eine kongeniale Partnerin für einen Abend wie diesen. Mazurka, Polonaise, Trauermarsch, Nocturno, Nesterenko tauchte trotz der den Fluss der Musik unterbrechenden Rezitationen Görners ein in Chopins Musik und spulte mit der Ruhe und Leichtigkeit einer großen Virtuosin selbst die harten Etüden Chopins. So die Etüde Nummer 3, Opus 10 und umwerfend schön die Etüde Nummer 12 aus Opus 25. Natürlich kam auch die „Fantaisie Impromptu“ zu Gehör. Dabei zeigte sich, dass die Chopin-Interpretationen der Pianistin in hohem Maße überzeugend sind. Souverän wie stets durfte Görner über weite Strecken auf dem Höckerchen sitzen, Chopin aus nächster Nähe lauschen und Liszt deklamieren. Fataler Effekt: Beides unterhält prächtig, aber man ist geneigt, zu fragen, ob das auch noch der Fall ist, wenn Görner Karlheinz Stockhausen entdeckt oder über Arnold Schönberg zu einem Abend mit Rezitation und Konzert einzuladen gedenkt. - usc

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