Erfolgskonzept der Händler auf dem Lüdenscheider Wochenmarkt

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Gemüsehändler Petrus Diril und Tochter Sara gehören mittlerweile zum Inventar des Lüdenscheider Wochenmarkts. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die meisten von ihnen stehen mitten in der Nacht auf, bauen im Dunkeln ihre Stände auf und legen ihre Ware aus. Der Verkauf startet im Morgengrauen und dauert bis in den frühen Nachmittag. Bei Wind und Wetter. Die Rede ist von den Händlern, die jeden Mittwoch und Samstag auf dem Wochenmarkt ihre Ware anbieten.

Seit zwei Uhr früh ist Petrus Diril auf den Beinen. Er ist einer der wenigen Markthändler, der entgegen aller Hektik am frühen Morgen auf dem Rathausplatz gelassen wirkt. Vier Konkurrenten hat er hier, die ebenfalls Gemüse verkaufen. Zusammen mit seiner Tochter Sara kommt er an jedem Markttag aus Werl nach Lüdenscheid, um sein bunten Obst- und Gemüsesortiment in möglichst großen Mengen an den Mann zu bringen. In vier weiteren Städten bauen sie ihren Stand ebenfalls auf.

Ralf Streitbürger ist Stammkunde bei Diril – wegen der Qualität und Frische der Ware, wie der 72-Jährige sagt. Und: „Die Preise stimmen“, fügt Streitbürger hinzu. Der Umsatz stimmt bei Diril auch – jedenfalls in den warmen Monaten, denn: Im Winter mache er Verluste, die im Sommer nur wenig bis gar nicht auszugleichen seien.

Der Blumenstand von Ingrid Gundlach wird ebenfalls als Familienbetrieb geführt. Sie hilft Ihrem Sohn immer noch beim Standaufbau und Verkauf – und das auf zwei Märkten im Sauerland. Sie selbst fühle sich tief mit Blumen verbunden, da sie in den Betrieb hinein geboren worden sei. Aus diesem Grund habe die 56-Jährige schon immer den Betrieb ihrer Eltern übernehmen wollen.

Schräg gegenüber vor dem farbenfrohen Blumenstand steht der Imbiss des Ehepaars Rail. Als frühere Stammkunden von Cevapcici-Brater und -Legende Milos Ciric wussten sie bereits, wie der Hase läuft, bevor die beiden den Laden im Januar dieses Jahres übernahmen. Die ausgebildete Versicherungskauffrau hat Ihren Job aufgegeben, um auf dem Wochenmarkt den Stand des 66-jährigen zu führen. Mit Ihrem Berufswechsel sei sie sehr zufrieden, sagt sie. Nach einem Abstecher in die Oberstadt ist sie nun seit März zurück auf dem Rathausplatz.

Thomas Kieseier, seit einem Jahr zuständiger Marktkoordinator der Stadtverwaltung, freut sich darüber, dass 64 Markthändler regelmäßig den Markt bestücken. Er schätzt die Atmosphäre und das gute Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten auf dem Wochenmarkt.

Der 51-jährige hat sein ganz persönliches Erfolgsrezept für einen gut funktionierenden Markt. Dazu gehörten das besondere Flair, die bestätigte Qualität, die Kommunikation zwischen Händlern und Kunden und die günstige, aber nicht billige Qualität.

„Diese fünf Komponenten sind elementar für einen funktionierenden Wochenmarkt“, erklärt Kieseier. „Andere Städte haben insbesondere die Stellplatzgarantie missachtet, und aus diesem Grund viele Markthändler, wenn nicht gar alle, vertrieben“, fährt er fort. „In Lüdenscheid ist das anders, und dafür setzte ich mich ein.“ ▪ Isabell Becker, Merle Scholz und Philipp Kallweit

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