Equal-Pay-Day: „Da hilft nur eins: Kämpfen“

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Unfairer Lohn für Frauen? Soroptimist-Präsidentin Barbara Müller-Naendrup zeigt „Rot“.

Lüdenscheid - Alarmstufe rot? Die Präsidentin der Soroptimist Clubs Barbara Müller-Naendrup hält eine rote Tasche hoch, Symbol für die Entgeltlücke am „Equal-Pay-Day“. Dieser Mahntag prangert an, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer – trotz gleicher Qualifikation.

Sie müssen knapp drei Monate länger arbeiten, bis sie das gleiche Geld in der Tasche haben wie ihre männlichen Kollegen am 31. Dezember des Vorjahres. Geschlechtsspezifische Lohnlücke also, die spätere Rentenlücke von 60 Prozent gibt´s gratis dazu. „Und raus bist du? Minijobs, Erwerbspause und Teilzeit“ waren die Themen des Abends.

Viele Frauen und einige engagierte Männer waren in den Dahlmann-Saal gekommen und verfolgten mit Interesse eine „Pecha-Kucha-Night“ zum Thema. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein japanischer Vortragsstil nach festen Regeln: Jeder Redner hat 20 Sekunden Redezeit zu 20 Folien, macht exakt 6 Minuten 40 Sekunden für jeden. Die Zeit wird gestoppt.

Von der Agentur für Arbeit Iserlohn sprachen Eva Henseler und Karin Käppel: Sie informierten über Ausbildungsmöglichkeiten für Spätstarter, was bei späterer Festanstellung mehr Rente bedeuten kann. Gleichstellungsbeauftragte Wiebke Grüne nahm humoristisch und pointiert Männerteilzeit unter die Lupe. Grüne: „Nehmt Männer in die Pflicht. Sie machen es vielleicht anders, aber sie schaffen es“.

Gelacht werden durfte bei Barbara Niclas´ und Müller-Naendrups Beitrag „feminispräch“: aus Mantel wurde Frautel, aus der Manderine die Fräuderine. Fazit: „Feminisierung brauchen wir nicht. Wir können sachlich auf Augenhöhe kommunizieren“, so Niclas.

Karin Zabel und Peggy Kühn stellten den Soroptimist Club vor, der sich für Frauen und Kindern einsetzt. Am Ende der Veranstaltung wurde für soziale Frauenprojekte im Märkischen Kreis gesammelt. Pina Giordano, beschäftigt bei der Stadt Oldenburg, zeigte dortige Arbeits-Modelle auf: Elternzeit als Einstieg zum Ausstieg? „Familienfreundlichkeit lohnt sich für Unternehmer, weil weniger Mitarbeiter ausfallen“. Der Chefarzt der Anästhesie Dr. Jürgen Hagenah erläuterte, wie das Teilzeitmodell am Klinikum Hellersen funktioniert. Marlene Hildebrand von der Agentur Mark sprach über Folgen, die (Mutterschafts-) Lücken im Lebenslauf haben.

Bundestagsabgeordnete Petra Crone lieferte Zahlen: Erst ab 1977 durften Ehefrauen arbeiten gehen. Frauen erzielten die besseren Abschlüsse, dennoch stelle Deutschland, was faire Entlohnung angehe, innerhalb der Europäischen Union einen traurigen Rekord auf: drittletzte Stelle im Ländervergleich. Nur in Österreich und Estland gehe es noch unfairer zu. „Frauen verdienen skandalöse 22 Prozent weniger. Da hilft nur eins: kämpfen“. Bei der nächsten Demo für fairen Lohn sei sie dabei, versprach Crone. - maya

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