Musical-Streifzug samt Alt-Rocker im Sonderzug

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Corie Townsend auf der Estrade mit dem „Ewigen Kreis“.

Lüdenscheid - Sie hatten nun wirklich alles dabei: Spaß am Entertainment, eine flotte Choreographie, dramatische Elemente, aber auch komische, und mit Deimos Virgillito einen gebürtigen italienischen Solisten, der in der Lage war, sich selbst und seine verschiedenen Rollen nicht immer ganz ernst zu nehmen: Das Ensemble der Set Musical Company bot im Kulturhaus gut drei Stunden lang einen Streifzug durch die Musicals aus aller Welt.

Cole Porter („Kiss me Kate“) zum Einstieg, ein bisschen Sister Act, ein bisschen Glamour hier, ein bisschen Monroe da – und schon war das Publikum auf dem Weg zur Lexington Avenue/Ecke East 52nd Street, an der die ewig schöne Marilyn ihr weißes Kleid über den U-Bahn-Schacht hält – eines der berühmtesten Bilder der (Film)Welt.

Der Moderator und musikalische Leiter der Musical Night, Axel Törber, wusste zwischen den musikalischen Beiträgen amüsant ein paar Geschichten zu erzählen und leitete nach der weltberühmten „20th Century Fox“-Fanfare über in den Walt-Disney-Block und dessen Musicals.

Für den Solisten Simon Tunkin war sein Auftritt als King Lui aus dem Affenstaat der Moment, in dem er sich in die Herzen der Gäste sang. Und spätestens nach dem „Ewigen Kreis“ aus dem Musical „Der König der Löwen“, den Corie Townsend mit gebührender Theatralik von der Estrade des Kulturhauses über den Saal erschallen ließ, waren die Gäste wach. Mit dem Blick in die „Totale Finsternis“ und in den Tanzsaal der Vampire entließ die Company die Besucher in die Pause.

Bewusst brach das Ensemble mit der Dreidimensionalität aus Gesang, Tanz und Schauspielerei die Barriere zum Publikum auf, sang aus den Zuschauerreihen heraus, mischte sich unters Volk, trat von der Seite her singend auf die Bühne, um einen der Musicalsongs darzubieten, aus denen Welthits wurden. Dieser Trend allerdings habe sich umgekehrt. Oftmals würde heute um bereits bestehende Welthits eine Musical-Geschichte herum geschrieben, so Törber. Diesem Umstand trug die Company im zweiten Teil Rechnung. Der Italiener Virgillito gab an der Seite der Solistin Alexandra Gentzen, die ihn fast um Haupteslänge überragte, den Lindenberg, sang als nuschelnder Hutträger samt Sonnenbrille „Hinter’m Horizont geht’s weiter“ und nahm als Sahnehäubchen musikalisch Platz im Sonderzug nach Pankow.

Mit einem Medley aus dem Musical „Mamma Mia“ – Nicolle Bolley, Corie Townsend und Alexandra Gentzen im Abba-Outfit der Plateauschuhe-Ära – steuerte die Company dem Ende der Mammutshow entgegen. Allerdings: Was wäre ein Musical-Abend ohne Mercury? Den musikalischen Part von „We will rock you“, übrigens das erfolgreichste Musical aller Zeiten, übernahm das Damen-Trio.

Stehend zollte das Publikum am Ende dem ausgepowerten Ensemble und der hervorragenden sechsköpfigen Begleitband – „Jeder Ton ist hier live, und so soll das auch bleiben“ – Applaus.

Die einstudierte Zugabe gewann dann an trauriger Aktualität: „Ich war noch niemals in New York“ als Referenz an den kürzlich verstorbenen Udo Jürgens – vorgetragen im weißen Bademantel. - Jutta Rudewig

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