Altstadtbühne: Der Aufstand der Anständigen

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Rudolf Karg und seine überraschend aufgetauchte Tochter Jana Lagrave im Zwiegespräch über die Laster der Vergangenheit.

Lüdenscheid - Das Ensemble der Altstadtbühne feierte am Samstag Premiere mit den Stück „Verzeihung, Herr Premierminister". Bianca Burgart-Hartwig holte sich dabei einen Szenenapplaus vom Feinsten ab.

Von Jutta Rudewig

Da ist zum einen Miss Frobisher. Über weite Strecken des Vierakters steht sie einfach nur da als besserwisserisches Faktotum, beständig kritzelnde Sekretärin des Schatzkanzlers. Und dann ganz plötzlich mutiert Bianca Burgart-Hartwig zum (zugegeben ohne Brille ziemlich blinden) männermordenden Vamp.

Mit ihr und Ira Stahl als nicht immer ganz auf der Höhe des politischen Bühnengeschehens stehende Gattin des Premierministers kamen Schwung und komödiantische Elemente in die Aufführung. Dreh- und Angelpunkt ist die Downingstreet Nummer 10, politische Doppelmoral und allerlei familiäre Verwirrungen sind der Inhalt. Gleich nebenan in Nummer 11 wohnt der streng puritanische Schatzkanzler Hector Cramond (Volker Lagrave), dessen erklärtes Ziel die Reinigung der Nation von Laster und Unmoral ist. Zu dumm, dass sich ausgerechnet der Premierminister vor 20 Jahren einen höchst pikanten Fehltritt leistet, der ihn nun in Form der hübschen Shirley Springer im feuerroten Petticoatkleid (Jana Lagrave) einholt. Ihr Ziel: Die Bekehrung des Premierministers, die restriktiven Forderungen seines Schatzkanzlers nicht zu unterstützen und dem Volk wenigstens ein bisschen Spaß zu lassen. Der Aufstand der Anständigen endet nach gut zweieinhalbstündiger Spielzeit natürlich mit einem Happy-End. Die Briten dürfen wieder trinken, die Ehre des Premiers ist wieder hergestellt, und selbst der prüde Schatzkanzler kommt zu seinem persönlichen Lebensglück.

Peter Rothenberg hat einmal mehr die Komödie von Edward Taylor und John Graham für die Lüdenscheider Altstadtbühne bearbeitet. „Viele harte Proben liegen hinter uns“, ließ deren Vorsitzende Christel Gabler die Gäste der ausverkauften Premierevorstellung wissen, bevor sich der Vorhang hob für Premierminister George Venables (Rudolf Karg) und seine Rede an die Nation. Karg glänzte mit einem ordentlichen Pensum an erlernten Worten, vor allem aber mit seiner Mimik, mit der er den Premier verkörperte. Anfangs etwas schleppend, lebte die Inszenierung auf mit dem Auftritt von Ira Stahl, die die nicht gerade übermäßig intelligente Gattin des Premiers gab. Herrlich auch Christo Michailidis in der Rolle des Rodney Campbell, Privatsekretär des Premiers, Mädchen für alles und „Kastanien-aus-dem-Feuer“-Holer für seinen Arbeitgeber. Komplettiert wird das Stück durch Pamela Zimmer als „Fehltritt“ Dora Springer und Marion Fandrey als schnippische Reporterin, die die britischen Staatsaffären mal so richtig durchmischen will.

I-Jazz hatte am Samstagabend zwar wenig Platz, aber dennoch die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Premieregäste mit Musik zu unterhalten. Bier, Buletten und Jazz boten den Rahmen für ein gelungenes Theaterstück, für dessen Folgeveranstaltungen es an der Theaterkasse und im Ticketshop der LN noch Karten gibt. Wer mitreden will, dem sei das Programmheft empfohlen. Da die Altstadtbühne 2016 ihren 40. Geburtstag feiert, dürfen die Lüdenscheider bestimmen, was gespielt werden soll. Die Auswahl kann zwischen „Der Neurosenkavalier“, „Endlich allein“, „Acapulco Madam’“, „Taxi, Taxi“ und „So ein Schlawiner“ getroffen werden.

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