Verschrobener Witwer

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Peter Zimmer als kauziger Rentner Wilson Reddy mit Bühnen-Sohn David (Wolfgang Müller, rechts).

Lüdenscheid -  Im Alter wird für die meisten das Leben nicht gerade leichter. Die gesundheitlichen Probleme häufen sich, die Treppen werden steiler, und die Konzentration beim Autofahren lässt nach.

Von Björn Othlinghaus

In zunehmendem Maße machen sich auch die Kinder Sorgen um die Eltern und geben sich – freilich meist in bester Absicht – alle Mühe, das Leben ihrer Eltern an allen Ecken und Enden zu bestimmen und einzuschränken. Ein eigentlich ernstes Thema, mit dem sich die Komödie „Hello Love!“, die in der Version der Altstadtbühne ihre Premiere feierte, auseinandersetzt. Dennoch geht es auch in dieser Inszenierung, die einmal mehr in den Händen von Peter Rothenberg und Sigrid Wistinghausen lag, wieder turbulent und lustig zu.

Im Mittelpunkt der Komödie des Amerikaners Donald R. Wilde steht der rüstige, aber etwas verschrobene Senior Wilson Reddy (schön kauzig: Peter Zimmer), der sich neun Monate nach dem Tod seiner Frau noch einmal voll ins Leben stürzen möchte. Während ihn sein jüngerer Sohn Jess (Chriso Michailidis), der selbst einen etwas unsteten Lebenswandel führt, zumindest vorerst in dem Vorhaben bestärkt, eine neue Frau kennenzulernen, macht sich sein pingeliger Bruder David (Wolfgang Müller) ständig Sorgen um seinen Dad und möchte ihn ins betreute Wohnen einquartieren. Damit ist Wilson natürlich gar nicht einverstanden, bekommt aber von David die resolute Betreuerin Caroline (Karin Link) auf’s Auge gedrückt, nachdem er sich auf der Flucht vor einer allzu heißblütigen Anzeigenbekanntschaft (schrill: Heike Vetter) das Bein gebrochen hat.

Die Konstellation, dass ein Griesgram eine Person aufgezwungen bekommt, die ihm zwar ordentlich contra gibt, es letztlich aber schafft, die Wut ihres Gegenübers zu bändigen, wurde schon oft erzählt, doch das bewährte Muster funktionierte auch hier hervorragend. Das kleine, diesmal nur fünfköpfige Schauspielensemble zeigte, dass die Chemie unter allen Akteuren bereits bei der Premiere stimmen kann, und lieferte eine mit Pause rund dreistündige, aber dennoch kurzweilige Vorstellung ab,die die Zuschauer im ausverkauften Haus über die volle Distanz bestens unterhielt.

Vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause sorgte die Formation iJazz, bestehend aus Natascha Winter (Gesang), Nicolas Leitgeb (Trompete, Gesang), DominicLeitgeb (Trompete), Axel Reichard (Piano) und Marco Michalowsky (Schlagzeug), bereits zum vierten Mal bei einer Altstadtbühnen-Premiere für die musikalische Begleitung der Veranstaltung. Darüber hinaus gab es eine weitere Premiere in der Altstadtbühne. Seit Samstag sind in den Räumen der Bühne in der Luisenstraße abstrakte Gemälde des im Münsterland lebenden Künstlers und Altstadtbühnen-Mitgliedes Lothar Hähnelt zu sehen, aufdie die Vorsitzende der Altstadtbühne, Christa Gabler, hinwies. Hähnelt gehört einer Künstlergruppe in Münster an, die gemeinsam Objekte erarbeitet und ausstellt. Alle in den Räumen der Altstadtbühne präsentierten Bilder können käuflich erworben werden.

Wer die Premiere des Stückes „Hello Love“ verpasst hat, hat in diesem und im nächsten Jahr noch zahlreiche Gelegenheiten, eine Aufführung zu besuchen.

Die nächste Vorstellung des Ensembles der Altstadtbühne findet am kommenden Samstag, 14. November, ab 20 Uhr in der Altstadtbühne statt. Tickets gibt es im LN-Ticketshop, Schillerstraße 20, an der Theaterkasse des Kulturhauses sowie in der Buchhandlung Plettendorf in Plettenberg.

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