"Enkeltrick" mit schwachen Opfern: Bewährungsstrafe

LÜDENSCHEID - Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges kassierten zwei litauische Staatsbürger im Amtsgericht eine 16-monatige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Die 19 und 18 Jahre alten Männer waren Ende August mit einem Fahrzeug nach Deutschland eingereist, um ältere russischsprachige Opfer mit dem sogenannten „Enkeltrick“ um ihre Ersparnisse zu bringen.

Dabei blieben mutmaßliche Drahtzieher im Hintergrund unbekannt: „Uns würde viel mehr interessieren, wer in Litauen und Berlin dahintersteckt. Die Beiden sind Ausführende. Die Anderen sitzen an den Telefonen und kassieren“, beklagte Richter Wolfram Arnold das Schweigen oder auch Nichtwissen der Beiden um ihre Hintermänner. Über Berlin kamen sie –telefonisch dirigiert – zunächst nach Brilon, wo sie einer Rentnerin drohten: Ihrem Sohn werde etwas Schlimmes zustoßen, wenn sie den Tätern nicht 2500 Euro übergebe. Die Frau zahlte und erstattete nicht mal Anzeige bei der Polizei.

Bis heute ist unklar, an wen das größtenteils sichergestellte Geld zurückgezahlt werden muss. Drei Jahre bleibt das wohl unrechtmäßig erworbene Geld in amtlicher Verwahrung, um möglicherweise doch noch abgeholt zu werden. Anschließend würde es an die Justizkasse des Landes NRW fallen. Bekannt wurde die Tat in Brilon nur durch das Geständnis der beiden Angeklagten.

Günstiger sieht es im zweiten Fall aus: In Rüthen drohten die Angeklagten ebenfalls einer Rentnerin, die gestern noch während des Prozesses die Zusicherung bekam, dass sie ihr Geld größtenteils zurückbekommen werde. Ihre Zeugenaussage wurde nach der langen Anreise nicht benötigt, weil die Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegten.

Bei einer dritten Tat blieb es beim Versuch: In Plettenberg drohten die Beiden einem Rentnerehepaar mit der Lüge, dass dessen Sohn ein Mädchen mit dem Auto angefahren habe. Nur durch sofortige Zahlung von 20 000 Euro könne verhindert werden, dass er verhaftet werde. Das plötzliche Auftauchen des Sohnes verhinderte dort die Zahlung von Geld. Die beiden Männer flüchteten und wurden schließlich in Lüdenscheid vorläufig festgenommen. Seitdem waren sie in Untersuchungshaft. In ihrem Auto wurden fast 3500 Euro sichergestellt. Das entspricht etwa der Beute bei den beiden Betrügereien in Brilon und Rüthen.

„Sie haben ganz bewusst die Ältesten und Schwächsten der Gesellschaft ausgenommen“, sagte der Staatsanwalt. Richter Arnold und seine Schöffen sahen das angesichts „besonders schwacher Opfer“ genauso: „Wer solche Taten begeht, bei dem liegen schädliche Neigungen vor. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig. - Thomas Krumm

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