STL spürt Auswirkungen von Großbränden

Engpässe beim Gelben Sack

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Bei der Entsorgung des Verpackungsmülls gibt es Engpässe. Sorge, dass die Gelben Säcke in Lüdenscheid liegen bleiben, müsse aber niemand haben.

Lüdenscheid – Mehrere Großbrände in Sortieranlagen haben das Duale System, über das in Deutschland der Verpackungsmüll aus Privathaushalten entsorgt wird, an seine Kapazitätsgrenzen gebracht. Die Auswirkungen bekommt der STL zu spüren.

Darauf wies Heino Lange, Werksleiter beim Stadtreinigungs, Transport und Baubetrieb Lüdenscheid (STL), die Mitglieder des STL-Werksausschusses hin. Das Problem: In der Verwertungskette gibt es Stau. Sorge, dass die Gelben Säcke in Lüdenscheid liegen bleiben, müsse aber niemand haben, sagt Lange.

Vertragspartner des STL ist die Interseroh Dienstleistungs GmbH. Sie ist einer von noch acht in Deutschland anerkannten Anbietern des Dualen Systems. Zuletzt hatte sich im April das Kölner Unternehmen Recycling Kontor Dual aus dem Markt zurückgezogen. Vertragliche Aufgabe des STL ist die Sammlung der Gelben Säcke in Lüdenscheid und die Lieferung des Mülls zur Sammelstelle nach Hagen. Dieser Aufgabe komme der STL vollumfänglich nach, betont Lange. Rund 2000 Tonnen Gelbe Säcke sammelt der STL pro Jahr in Lüdenscheid ein.

Von Hagen aus werden die Abfälle dann zu den Sortieranlagen in der Region gebracht. Dort wird der Verpackungsmüll sortiert und zum Beispiel an Recyclingunternehmen weitergegeben. Nach Großbränden in Groß-Sortieranlagen in Marl, aber auch im weiter entfernten Rostock fallen derzeit mindestens vier Anlagen aus. 

Jede von ihnen hat eine Kapazität zwischen 100.000 und 200.000 Tonnen pro Jahr. „Deutschlandweit sind mehrere Sortieranlagen in Flammen aufgegangen. Dies führt zu erheblichen Engpässen im Dualen System. Das privatwirtschaftliche System ist dadurch schwer ins Wanken geraten“, sagt Heino Lange.

Der STL hat das am eigenen Leibe zu spüren bekommen: „Zwischenzeitlich war es an der Sammelstelle Hagen so voll, dass wir Zweifel hatten, noch alle Säcke wegzubekommen“, berichtet Lange. Man habe den Servicepartner auf seine vertragliche Pflicht hingewiesen, den gelieferten Müll in Hagen entgegenzunehmen. Seine Sorge: Wenn an der Sammelstelle die Annahme verweigert wird, „sind die Kommunen betroffen. Dann trifft es die Schwächsten in der Kette.“ Die kommunalen Entsorgungsbetriebe haben das NRW-Umweltministerium auf die Kapazitätsengpässe und die Probleme im Dualen System hingewiesen.

Noch bis 2023 läuft der gerade erneuerte Vertrag mit Interseroh. Mindestens so lange wird es auch noch die Gelben Säcke in Lüdenscheid geben. Die Zeit bis dahin will Werksleiter Lange nutzen, um die Politik über eine Alternative zu den Säcken zu informieren. Andere Kommunen hatten in der Vergangenheit die Gelben Säcke abgeschafft und durch Gelbe Tonnen ersetzt.

Eine Meinung dazu hat er nicht. Damit der Stadtrat eine fundierte Entscheidung treffen kann, will er den Politikern Vor- und Nachteile darlegen. Zwar würden mit Einführung einer weiteren Tonne die unschönen Säcke-Berge am Abfuhrtag verschwinden, bei Überprüfungen der Inhalte der Gelben Tonnen habe sich aber ergeben, dass es vermehrt zu Fehleinwürfen kommt. Ergo: Der Abfall ist nicht so gut vorsortiert wie beim Gelben Sack. Heino Lange: „Es hat schon einen Grund, warum der Sack durchsichtig ist.“

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