Enervie: Verärgerung über längere Laufzeiten

LÜDENSCHEID ▪ Von einem gelungenen Kompromiss, wie Umweltminister Norbert Röttgen die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bezeichnet, kann Ivo Grünhagen, Vorstandssprecher des Energieversorgers Enervie, nichts erkennen: „Wir fühlen uns eher kompromittiert.

Wir haben uns zwar im Vorfeld Gedanken über mögliche Energie-Szenarien gemacht, aber die Ausprägung, die jetzt vorliegt, war dann doch überraschend und ist ungerecht.“ Immerhin habe die Enervie Gruppe, in Hagen, Lüdenscheid und der Märkischen Region aktiv, in der Vergangenheit mehrere hunderte Millionen Euro investiert und sich dabei auf die Gültigkeit der politischen Rahmenbedingungen verlassen. Grünhagen führt als Beispiele den Bau einer Gas- und Dampfturbinen-Anlage in Herdecke und die Modernisierung des Steinkohleblocks am Kraftwerkstandort Werdohl-Elverlingsen auf. Jetzt werde man von den vier großen Versorgern – RWE, Eon, EnBW und Vattenfall –, die mit ihren Atomkraftwerken die nächsten zwölf Jahre und darüber hinaus satte Gewinne einfahren könnten, überrollt. „Wir können unsere Kraftwerke nicht als Börsenunternehmen vermarkten, wir müssen uns das Geld verdienen.“

Für Grünhagen stehen angesichts der Laufzeitverlängerung künftige Enervie-Projekte und Ausbaupläne auf der Kippe: Ob in Elverlingsen ein neues Kraftwerk entstehe, sei unter den gegebenen Bedingungen schwer vorstellbar. Es gebe bundesweit 1200 Energieversorger, 84 Prozent der Versorgung laufe über die vier großen Konzerne. Von den verbleibenden 16 Prozent stelle Enervie immerhin ein Prozent. „Wir behalten uns vor, auch rechtliche Schritte zu prüfen.“ Wie berichtet, hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Klage gegen die Laufzeitverlängerung angekündigt, falls der Bund versucht, den Bundesrat zu umgehen.

Harald Metzger, Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtwerke, bezeichnete die aktuelle Entwicklung als „nicht erfreulich“. Investitionen der Stadtwerke in die Nutzung regenerativer Energien würden ausgebremst zugunsten der vier großen Versorger. „Der Mittelstand der Versorger wird darunter leiden“, sagte Metzger und verwies auf eine Stellungnahme des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), in dem rund 1400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft vertreten sind. Dort hieß es, die Bundesregierung riskierte mit den Beschlüssen, dass viele der kommunalen Investitionen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und neuer hoch effizienter Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen nicht mehr getätigt werden. Grünhagen betonte, die Entscheidung der Bundesregierung erhöhe auch den Druck, noch stärker als bisher in allen Bereichen die Effizienz zu steigern. Davon bleibe auch der Bereich Personal nicht ausgeschlossen.

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