Enervie macht 40 Millionen Gewinn - so viel bekommt Lüdenscheid

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Nur ein Fünftel des Strompreises kann der Energieversorger Enervie direkt beeinflussen.

Lüdenscheid / Märkischer Kreis – Die Zeit der Dürre ist für den regionalen Energieversorger Enervie offenbar vorbei. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte das Unternehmen mit 40,2 Millionen Euro vor Steuern das beste Ergebnis seit seiner Gründung.

Das dürfte auch die vorwiegend kommunalen Aktionäre freuen, an die wie im Vorjahr eine Dividende von acht Millionen Euro ausgeschüttet wird. Die Stadt Lüdenscheid, mit einem Anteil von 24,1 Prozent an der Enervie beteiligt, erhält danach rund 1,9 Millionen Euro. Größter Aktionär ist die Stadt Hagen mit 42,7 Prozent. 

Unter dem Dach der Enervie lieferten Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser an rund 370 000 Energiekunden und Handelspartner. 6,4 Milliarden Kilowatt Strom, 5,2 Milliarden Kilowattstunden Gas, 51 Millionen Kilowattstunden Wärme und 17,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verbrauchten Privat- und Geschäftskunden im vergangenen Jahr. 

Die Zahl der überregionalen Abnehmer ist inzwischen auf 55 000 Vertragspartner gewachsen. Noch erfolgt die Anbindung über Haustürgeschäfte. Das aber sei ein Auslaufmodell, unterstrich Vertriebs- und Personalvorstand Wolfgang Struwe: „Der Online-Abwicklung gehört in allen Bereichen die Zukunft.“ Mit den Geschäftszahlen, Aussichten und der Dividendenausschüttung, die nach vierjähriger Durststrecke im vergangenen Jahr erstmals wieder möglich wurde, setzt sich der Konsolidierungserfolg fort.

Auch wenn Vorstandssprecher Erik Höhne bei der Bilanzvorstellung von einem „sehr zufriedenstellenden Jahresergebnis“ sprach, das um 6,5 Millionen Euro über dem Plan liegt, fehlte es nicht an mahnenden Worten: „Wir müssen unsere Robustheit und Ertragskraft weiter erhöhen. Der Veränderungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“ 

Gravierende Einschnitte musste Enervie nicht allein bei den Geschäftsmodellen durch den Ausstieg aus der Steinkohleverstromung verkraften, auch der Personalbestand reduzierte sich um rund 30 Prozent – ohne betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 1048 Mitarbeiter. 

„Regionaler Motor der Energiewende“

 Den Anspruch des Unternehmens für seine Rolle fasste Höhne in einem Satz zusammen: „Wir wollen der Motor der Energiewende in der Region sein.“ Dabei gilt ein besonderer Augenmerk der Elektromobilität: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird vorangetrieben. Dabei setzt Enervie weniger auf „Tanksäulen“ im öffentlichen Raum, sondern auf Wallboxen fürs Laden zu Hause und am Arbeitsplatz. „Dickere Kabel im Bürgersteig sind die dümmste Idee. 

Damit lässt sich die E-Mobilität nicht vorantreiben.“ Dass Elektroautos auch als Stromspeicher genutzt und zur Stabilisierung der Netze eingesetzt werden können, hat ein erster Testlauf im Oktober vergangenen Jahres gezeigt. Damit die Zukunftskonzepte auch den Sprung in die Realität schaffen, seien Netze auf dem höchsten Stand notwendig. Deshalb werde Enervie bis 2023 rund 220 Millionen Euro in das „Rückgrat der Region“ investieren. 

Für Lüdenscheids Kämmerer Dr. Karl Heinz Blasweiler hat der Enervie-Vorstand seine Hausaufgaben nach der großen Krise gemacht. „Die stabile Lage macht uns schon sehr optimistisch.“ Die Dividende sei bereits im „großen Haushaltstopf“ eingeplant.

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