Enervie kämpft um Kunden und ums Image

Die Debatte um die höheren Strompreise im neuen Jahr hält an. Auch der heimische Versorger Enervie nimmt mehr Geld.

LÜDENSCHEID - Wechseln, wechseln, wechseln, um Bewegung in den Strommarkt zu bringen: Das rät der Gutachter, auf dessen viel diskutierter Expertise zum höheren Strompreis die jüngste Kritik der Grünen am Gewinnhunger der vier deutschen Großkonzerne fußt.

Indes hebt auch der heimische Versorger Enervie, zu dem die Stadtwerke Lüdenscheid gehören, den Preis zum Jahreswechsel um 1,5 Cent pro Kilowattstunde an. Für den Lüdenscheider Durchschnittshaushalt bedeutet das 60 Euro mehr im Jahr. Wie viele Kunden das zum Wechsel des Anbieters treibt, kann Enervie-Sprecher Uwe Reuter noch nicht sagen. Allerdings sind Stromkunden in aller Regel treu: Enervie, zu dem neben dem Altkreis Lüdenscheid auch Hagen und Umgebung zählen, verlor laut Reuter im Jahr 2009 nur 2500 von 280 000 Kunden – nicht mal ein Prozent, und das bei einem Marktanteil von mehr als 90. Zugleich habe Enervie inzwischen 500 auswärtige Kunden neu gewonnen.

„Seit diesem Jahr akquirieren wir Privatkunden auch außerhalb unseres Netzgebietes“, erklärte Reuter. Dies sei eine „regionale Strategie“ im Umkreis von etwa 100 Kilometern. Als Neuling sei Enervie damit auch in Vergleichsbörsen wie Verivox aufgetaucht. „Chancen haben wir mit fairen Wettbewerbspreisen bei Kunden, die Vorgaben von Billiganbietern wie Vorkasse nicht akzeptieren.“ Und: Seit der Anfang 2010 erfolgten Übernahme der Lekker-Energie, die 300 000 Kunden in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln hat, ist Enervie auf dem Privatsektor auch bundesweit aktiv. Da die Treue zu Stromlieferanten aber auch anderswo groß ist, sei die Akquise „ein mühsames Geschäft“, räumt Reuter ein. Zwar könne man einige Kunden mit Fixpreis-Angeboten überzeugen. Doch für alle Ex-Monopolisten zeige die Tendenz im Wettbewerb naturgemäß eher nach unten.

Kampflos hinnehmen wolle man das aber nicht. So will sich Enervie nicht mit den „Großen 4“ im Energiemarkt in einen Topf werfen lassen: „Wir hätten die aktuelle Erhöhung nicht einfach wegdrücken können, zumal der Kunde das nicht honoriert. Und die Ursache sind ganz klar die Kosten der erneuerbaren Energien. Dass alle diese Energien wollen, ist klar. Aber sie haben ihren Preis.“

Was hat die Liberalisierung des Strommarktes 1998 dann gebracht, wenn Kunden nur immer mehr zahlen mussten? Zu dieser Frage macht Reuter folgende Rechnung auf: „1998 zahlte der Durchschnittshaushalt für den Energie-Anteil am Strompreis 37,60 Euro, heute 40,43. Das sind 7,8 Prozent mehr in zwölf Jahren. Der Anteil der staatlichen Abgaben auf den Strompreis stieg zugleich von 12,35 Euro auf 28,57 Euro – also um 130 Prozent. Hier liegt der Löwenanteil: beim Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung, der Stromsteuer und der Konzessionsabgabe.“

Im Übrigen setze Enervie weiter darauf, als heimischer Versorger anders wahrgenommen zu werden als ein Großkonzern. „Unsere Gewinne fließen in unsere Städte zurück, in denen wir auch Arbeitgeber und Kunde des Handwerks sind.“

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