Strafprozess erneut geplatzt

Endlos-Verfahren im MK: Angeklagter seit Jahren verschwunden

Symbolfoto: Mann mit Handschellen.
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Symbolbild

Das Schöffengericht tritt zusammen – mal wieder vergeblich. Ein Strafprozess wegen Betruges in acht Fällen stand auf dem Programm. Strafrichter Thomas Kabus und seine Schöffen, der Protokollant, der Staatsanwalt, Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg, ein Zeuge, extra aus Nürnberg angereist, alle da. Nur der Angeklagte fehlt, unentschuldigt. Das Verfahren stockt weiter. Eröffnet wurde es 2017.

Lüdenscheid - In der Anklage ist von Gaunereien im Internet die Rede. Immer wieder hat der heute 34-Jährige aus Lüdenscheid Artikel auf einer Auktionsplattform angeboten, immer wieder den Kaufpreis aufs Konto gekriegt, nie geliefert. Smartphones, Computerzubehör, Spielkonsolen – alles das hatte er offenbar gar nicht. Als er merkte, dass die Luft dünn wird und die Behörden hinter ihm her sind, erstattete er flugs Selbstanzeige. Das nützte nichts mehr.

Mann aus Lüdenscheid in Polen in U-Haft

Im September vor vier Jahren tagte also das Schöffengericht. Wieder alle da, der Justizapparat setzte sich in Gang, die Anklagebank blieb leer. Nachforschungen der Staatsanwalt ergaben: Der Beschuldigte sitzt gerade in Untersuchungshaft, leider nicht in Deutschland, sondern in Polen. Warum, ist den Juristen am Amtsgericht bis heute verborgen.

Klar ist nur, dass der Mann längst wieder zurück in Lüdenscheid ist. Gemeldet in einem Mietblock im Ortsteil Wettringhof, zwischendurch an der Graf-von-Galen-Straße, wo Wohnungslose bei der Caritas eine Adresse bekommen können, für die Erreichbarkeit. Die Urkunde des Gerichts mit der Ladung zum Prozess gilt als ordnungsgemäß zugestellt. Strafverteidiger Rüggeberg wartet dennoch vergebens auf seinen Mandanten.

Es gibt die Möglichkeit, den Angeklagten polizeilich vorführen zu lassen, wenn er schwänzt. Doch dem Vertreter der Staatsanwaltschaft reicht das nicht. „Das haben wir auch schon mal versucht.“ Er beantragt einen Haftbefehl. Der Verteidiger hat keine Einwände. Die Richter geben dem Antrag statt. „Um den Termin der Hauptverhandlung zu sichern“, wie Thomas Kabus sagt.

Also schon wieder: Festnahme, Transport in Untersuchungshaft, diesmal in Deutschland, neuer Termin von Amts wegen. Justitia hat Geduld – mal wieder.

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