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Endlich in Lüdenscheid: Brite erfüllt sich Lebenstraum

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Von: Susanne Kornau

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Anstrengend war’s, aber voller netter Begegnungen und Erlebnisse: Philip Hartley, hier nach dem Besuch der Phänomenta, hat seinen ersehnten Lüdenscheid-Trip sehr genossen. Der Engländer aus Pickering/North Yorkshire ist fest entschlossen, noch einmal wiederzukommen.
Anstrengend war’s, aber voller netter Begegnungen und Erlebnisse: Philip Hartley hat seinen ersehnten Lüdenscheid-Trip sehr genossen. Der Engländer aus Pickering/North Yorkshire ist fest entschlossen, noch einmal wiederzukommen. © Susanne Kornau

Er hat’s getan! He did it! Philip H. Hartley hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Hat einen Punkt auf seiner „Bucket List“ abgehackt. Salopp übersetzt, umfasst eine solche Liste all die Dinge, die man getan haben will, bevor man den Löffel abgibt.

Lüdenscheid - Auf Philip Hartleys Liste stand seit mehr als 65 Jahren ein Lüdenscheid-Besuch. Inzwischen ist er 75, der Brite aus Pickering/North Yorkshire. Von Montag bis Donnerstag war er hier. Endlich.

Als er sich am 29. Juli 2020 hinsetzte und einen Brief an die LN-Redaktion schrieb, holte er weit aus. Er schilderte plastisch das Drama seiner Jugend, als er den ersehnten Schüleraustausch in die Bergstadt verpasste. Sein Bruder Tony durfte 1955 fahren, aber als der drei Jahre jüngere Philip auf das erste große Abenteuer seines jungen Lebens hin fieberte, fehlte kurz vorher das Geld: Ein Auto für die Familie war wichtiger.

Doch das Leben ging weiter. Der Junge wurde groß, Finanzbuchhalter, Ehemann, Vater. Er sah die Welt, beruflich und privat, knüpfte in seiner offenen, unkomplizierten Art Freundschaften über alle Grenzen hinweg. Scheidung, Ruhestand, viel Zeit auf dem Golfplatz, neue Partnerin, Verluste, Brexit – immer wieder gab es Gründe, die Reise zu verschieben. Nun ist er „the last man standing“ in seiner Familiengeneration. Auch deshalb war nach Pandemie und vierter Impfung Lüdenscheid wichtiger als alles andere, wichtiger als der Auftakt zum Platin-Jubiläum der Queen. Zeppelin, Phänomenta, die Pubs der Altstadt – diese Stationen hatte er sich herausgesucht aus dem Infopäckchen, das die Pressestelle der Stadt 2021 nach mehreren LN-Berichten über den Kanal geschickt hatte. Und dann, am Montag gegen Mitternacht, war er endlich am Ziel: mitten im Herzen der Stadt, im Hotel Zur Altstadt.

Alle Hürden überwunden

Natürlich ging das nicht ohne weitere Hürden: Zu Beginn langwierige Zoll-Formalitäten bei der Ausreise. Gegen Ende Umleitungen wegen der Brückensperrung, die sein Navi nicht akzeptierte. Dann fand sein Navi die kleine Grabenstraße nicht. Dafür fand er einen Retter in der Not, einen jungen Mann, noch spät mit Freundin unterwegs und ein sehr gutes Englisch sprechend, der den Briten sicher zum Hotel geleitete. Nur die erste einer Reihe von Begegnungen mit hilfsbereiten Lüdenscheidern, die ihm in allerbester Erinnerung bleiben. Eine Mail an die LN, eine Woche vor dem Besuch noch schnell abgeschickt, tat ein Übriges: Ein spontanes Besuchsprogramm gelang, die Bereitschaft war groß, dem Engländer mit dem Faible für die Stadt ein besonderes Willkommensgefühl zu geben. Das funktionierte bestens, zumal er überall ein englischsprachiges Gegenüber fand. „I had a really great time“, bedankte er sich am Ende glücklich. Als Philip Hartley am Donnerstag seine Reise über Belgien nach Paris fortsetzte, um alte Freunde zu besuchen, ließ er neue Freunde zurück.

Zum Beispiel Jens Holzrichter, den Vorsitzenden der Lüdenscheid-Brighouse-Gesellschaft. Der sorgte für einen exklusiven Rundblick über die Dächer der Stadt, fürs richtige „Pub-Feeling“ in der Altstadt und ein angeregtes Gespräch über Gott und die Welt und die Politik bei Krüstchen und Bier im Schwejk. Dann war da noch der herzliche Abschied von der netten Budde-Wirtin, die ihrem neuen „Schatz“ noch einen schönen Aufenthalt wünschte. Und er fand gemeinsamen Gesprächsstoff mit Kathryn Baum, die einst durch einen Jugendaustausch aus England nach Lüdenscheid kam und blieb. Dank langjähriger Erfahrung als Stadtführerin ließ sie für ihren Landsmann beim Altstadtrundgang Lüdenscheids Geschichte mit allerlei „facts and figures“ lebendig werden. Eine Tour, die unterm Zeppelin-Modell im Museum endete. Im Stern-Center, das ihn – schwer davon beeindruckt – schließlich wieder in den Sonnenschein (!) entließ, fanden sich Postkarten und typische Souvenirs, die das ergänzten, was die Pressestelle der Stadt schon an Kleinigkeiten zusammengestellt hatte.

Doch eines stand ganz oben auf der Lüdenscheid-Liste: ein Besuch der Phänomenta. Bufdi Max erklärte dem staunenden Gast die Stationen, ließ ihn mit Licht, Luft und Lüdia, dem smarten Phänomenta-Roboter, spielen. Gemeinsam mit Flo und Simon vom hilfsbereiten Science-Center-Team, baute er zum Schluss noch Brücken. Und während die Holzkonstruktionen der Leonardo-Brücke und des begehbaren Bogens unter allseitigem Gelächter zusammenbrachen, wurde zweierlei deutlich: Wunsch und Wille finden immer Wege zum Ziel, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Und am Ende sind es immer die Menschen, die verbinden.

Last but not least: Was steht denn nun noch auf der „Bucket List“? Wieder strahlt Philip Hartley, wie wohl einst als kleiner Junge, voller Vorfreude: „The festival of lights“ – die nächsten Lichtrouten. Dann will er wiederkommen. Unbedingt.

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