Ende nach 30 Jahren: Club Aktiv meldet Insolvenz an

Ob Tanztee oder Kartenrunde: Der Club Aktiv war bis zuletzt ein beliebter Treff für Lüdenscheider Senioren.

LÜDENSCHEID ▪ Alle Rettungsversuche waren vergebens: Nach 30 Jahren ist der Club Aktiv am Ende. Am Freitag hat der neue Vorstand beim Amtsgericht Lüdenscheid Insolvenzantrag gestellt.

Zum Monatsende stellt der Verein seine Arbeit ein, die Mitglieder sollen am Montag, 29. August, ab 14.30 Uhr in den Vereinsräumen im Gothaer Haus über alles Nähere informiert werden.

„Wir haben ausgelotet, ob wir die Vereinsarbeit doch noch fortsetzen können, aber die negative Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende Gerd Tolksdorf dazu auf Anfrage der LN. Verständigt habe man jetzt die Stadt als Zuschussgeberin und die Mendener Wohnungsbaugesellschaft GBS als Vermieterin der Clubräume. Gerade mit der GBS habe der Vorstand zuletzt noch nach Lösungen gesucht – und auch Angebote erhalten. Letztlich aber seien die Vereinsvorsitzende und Hauswirtschafterin Gretel Lietz-von der Crone, Gerd Tolksdorf und Schatzmeister Martin Schulze übereingekommen, „die Reißleine zu ziehen“.

Angedeutet hatte sich der Schritt bereits Ende letzten Jahres, als der neue Vorstand das Ruder übernahm. Die Rettung erschien von vornherein als schwieriges Unterfangen: „Club Aktiv steht kurz vor dem Abgrund“, berichteten damals die LN. Mietschulden – auch im Forum, wo der Club früher residierte – und eine von 1300 auf 124 geschrumpfte Mitgliederzahl, die sich aufgrund des veränderten Freizeitverhaltens von Senioren offenbar nicht mehr steigern ließ, waren laut Tolksdorf die Hauptgründe für die Aufgabe. Der Insolvenzantrag müsse in solchen Situationen zudem rechtzeitig erfolgen, damit ein Vorstand selbst nicht noch in Schwierigkeiten kommt.

Problematisch ist die Entscheidung indes nicht nur für den Club selbst, den zuletzt noch 40 bis 50 treue Mitglieder regelmäßig besuchten. Hauswirtschafterin und Vereinsvorsitzende Gretel Lietz-von der Crone sowie eine 400-Euro-Kraft verlieren ihre Stellen. Die Kleiderkammer wird geschlossen. Und: Mehrere Vereine, Selbsthilfegruppen und Chöre, die im Treff bisher ihre Zusammenkünfte und Proben abhielten, brauchen neue Räume. Tolksdorf: „Wir versuchen, allen übergangsweise andere Räume anzubieten, zum Beispiel beim DRK oder der Awo.“

Auf Dauer müssten sich die Gruppen aber nach neuen Domizilen umsehen. Betroffen sind das Lüdenscheider Männerquartett, der Johanniter-Seniorenchor, der Gemischte Chor, zwei Selbsthilfegruppen, die Ex-Königinnen der Bürgerschützen, der Sozialverband, der VdK und die Senioren von Busch-Jaeger Elektro. Alle trafen sich im Gothaer Haus regelmäßig.

Der Club Aktiv, vor 30 Jahren von der unvergessenen Senioren-Aktivistin Elisabeth Blöcher ins Leben gerufen und groß gemacht, habe zeit seines Bestehens vielen älteren Menschen Freude geschenkt, auf Reisen und Veranstaltungen zahllose Kontakte ermöglicht und im karitativen Bereich viel Gutes getan. Das sollte auch vor dem Hintergrund des Niedergangs, der schon vor dem Ausscheiden Elisabeth Blöchers eingesetzt habe, und des jetzt so traurigen Endes nicht vergessen werden, sagte Tolksdorf. Aber die Zeit sei über eine Seniorenvereinigung dieses Strickmusters offenbar doch hinweggegangen.

Am Montagabend, als sich traditionell wieder viele Senioren zum Kartenspiel trafen, reagierten die Gäste betroffen – vor allem darüber, dass die Schließung jetzt „von Knall auf Fall“ erfolgt.

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