Verfahren vor dem Abschluss

EncroChat-Prozess: Gutachter bescheinigt Angeklagtem Drogensucht

„Das Kokain ist der entscheidende Faktor“: Der psychiatrische Gutachter macht den Drogenmissbrauch für die Schüsse an der Berliner Straße mitverantwortlich. Symbolfoto: David Ebener/dpa
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Symbolbild

Das sogenannte EncroChat-Verfahren gegen einen 29-Jährigen am Landgericht Hagen steht kurz vor dem Abschluss.

Lüdenscheid - Das vermeintlich abhörsichere Netzwerk mit Spezialhandys war ein lukrativer internationaler Marktplatz für Drogendealer – und wurde von französischen Spezialisten entschlüsselt. Der Familienvater aus der Kreisstadt ist einer der ersten, denen die Justiz den Prozess macht. Er hat ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Der letzte Verhandlungstag steht bevor.

Strafrabatt für Mann aus Lüdenscheid wahrscheinlich

Durch seine Kooperation hat sich der Angeklagte möglicherweise einen wertvollen Strafrabatt erarbeitet. Aber nicht nur die Tatsache, dass er den Handel mit illegalem Rauschgift eingeräumt hat, ist für das Strafmaß entscheidend. Auch die Frage, ob er selbst drogensüchtig ist, spielt für das Urteil eine möglicherweise mildernde Rolle.

Doch der Vorsitzende Richter der 6. großen Strafkammer, Christian Potthast, äußert Zweifel an den Angaben, die der Angeklagte über seine Konsumgewohnheiten gemacht hat. „In den vielen tausend Seiten der Ermittlungsakten haben wir rein gar nichts gefunden, was darauf hindeutet.“ Und im psychiatrischen Gutachten des Sachverständigen Dr. Brian Blackwell aus Hagen sei das auch „nicht so ganz verifizierbar“, so Potthast.

Kokain „hat mir geholfen, erfolgreich zu sein“

Doch der 29-Jährige, verteidigt von Rechtsanwalt Andreas Trode, beteuert, selbst ausschweifend konsumiert zu haben. „Morgens direkt nach dem Aufstehen Marihuana.“ Dann sei er „lockerer drauf“ gewesen und „nicht so gereizt“. Außerdem ein halbes bis ein Gramm Kokain am Tag, „damit war ich leistungsfähiger, das hat mir geholfen, erfolgreich zu sein“.

Dr. Blackwell hält die Angaben des Angeklagten für glaubwürdig. Es passe zu dessen Persönlichkeit, dass er sich etwa durch Kokain einen „Ego-Boost“ verschafft hat, um in seinem Umfeld besser da zu stehen. Im Gefängnis habe der Häftling zudem Entzugssymptome gezeigt. Er habe einen Hang, berauschende Mittel zu sich zu nehmen und brauche eine zweijährige Therapie in einer Entziehungsanstalt.

Der Prozess wird am 28. Juni um 9 Uhr im Saal 247 des Hagener Landgerichts fortgesetzt. Geplant sind die Vernehmung eines letzten Zeugen, die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger sowie die Urteilsverkündung.

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