Flüchtlingskinder von Lesbos: Lüdenscheid würde zwei Kinder aufnehmen

Flüchtlingskinder von Lesbos: Lüdenscheid würde zwei Kinder aufnehmen.
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Flüchtlingskinder von Lesbos: Lüdenscheid würde zwei Kinder aufnehmen.

Lüdenscheid – „Deutschland kauft sich damit frei. Das ist nur eine Hinhaltetaktik.“ Sandra Manß reagierte am Donnerstagabend sichtlich sauer während der Sitzung des Integrationsrats im Kulturhaus. Ihre unmissverständliche Stellungnahme bezog sich auf die Antwort eines Schreibens, das vom Integrationsrat an Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Laschet geschickt wurde.

 „Wir bitten Sie aus ganzem Herzen, die circa 1500 unbegleiteten Kinder unter 14 Jahren so schnell wie möglich von Lesbos zu holen“, zitierte die stellvertretende Vorsitzende aus dem Brief, den die Bundesregierung von ihr erhalten hatte. Schnelles Handeln sei wichtig, denn noch sei keins der Kinder in dem Flüchtlingslager an Corona erkrankt.

Die dort herrschenden Hygienezustände seien jedoch katastrophal und ein perfekter Nährboden für das Virus. Sie rechnete vor, dass NRW die Zahl der Kinder auch ohne weitere Bundesländer aufnehmen könne: „Das wäre ein Kind pro 12 000 Menschen in NRW. Auf ganz Deutschland verteilt käme ein Kind auf 55 000 Menschen.“

Knapp zwei Monate später kam dann die Antwort vom Bundesministerium des Innern (BMI). Es sei geplant, im Rahmen einer europäischen Lösung einen Teil der Kinder zu übernehmen. Elf EU-Mitgliedstaaten hätten sich dazu bereit erklärt. Deutschland hätte bereits am 28. April 47 unbegleitete Minderjährige von drei griechischen Inseln aufgenommen. Sechs von ihnen würden nun in Nordrhein-Westfalen leben.

Bei der Sitzung des Integratiosrats sorgte ein Brief vom Bundesministerium des Innern für aufkochende Emotionen – von links: Güner Cebir, Sandra Manß, Matthias Reuver, Tan Göbenli, Kalliopi Georgiadou, Irem Demircioglu und Gülpasa Erdogan.

„Das ist ein Alleinlassen von Griechenland und den Flüchtlingen“, echauffierte sich die SPD-Politikerin. „Ich habe mich richtig über diese Antwort geärgert.“ Matthias Reuver vom Fachbereich Jugend, Bildung und Sport hat sich in der Angelegenheit bereits umgehört: „Ich habe in verschiedenen NRW-Kommunen angefragt. Viele sind bereit, Kinder aufzunehmen“, versicherte er. In Lüdenscheid könnten auch zwei der Kinder aufgenommen werden.

Die Unterbringung wäre gesichert. Zudem habe man in der Bergstadt bereits durch die Flüchtlingswelle von 2015 Erfahrungen mit unbegleiteten Flüchtlingskindern. Mit einem Antwortschreiben möchte Sandra Manß jetzt auf die Ausführungen des BMI reagieren.

Neben dem emotional diskutierten Thema der Flüchtlingskinder ging es bei der Sitzung auch um das Büro im Integrations- und Begegnungszentrum an der Parkstraße. Der frühere Raum im Telekom-Gebäude wäre kaum genutzt worden, erinnerte Matthias Reuver. Trotzdem wäre eine Räumlichkeit wichtig. Nicht nur, um die Stühle, Banner oder Kaffeemaschinen zu lagern, sondern auch um ansprechbar zu sein. Als Option könne man sich die Nutzung auch mit anderen teilen. Schließlich stand noch der heutige Weltflüchtlingstag zur Diskussion. „Würdet ihr ein Zeichen setzen wollen an diesem Tag oder eine Aktion auf die Beine stellen?“, fragte Sandra Manß in die Runde.

Doch weder Mahnwache noch Info-Zeitung konnten in der Kürze der Zeit umgesetzt werden. Zumindest am Versammlungstag fehlten zündende Ideen. Damit im kommenden Jahr auch in Lüdenscheid ein Zeichen zum Flüchtlingsthema gesetzt werden kann, solle im Integrationszentrum nun rechtzeitig ein Plan erstellt werden, regte Matthias Reuver an.

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