EM-Abpfiff-Partys: Nun redet die Politik mit

LÜDENSCHEID ▪ Die strengen behördlichen Auflagen für die Abpfiff-Partys im Brauhaus-Biergarten nach EM-Spielen haben eine breite Diskussion ausgelöst. Kritische Stimmen gegen die Ordnungsverfügung überwiegen deutlich. Nun schaltet sich auch die Politik ein.

Die CDU-Fraktion will im Hauptausschuss am Montag eine Anfrage an die Stadtverwaltung richten. Derweil hat Brauhaus-Wirt Jörg Mehl die Ordnungsverfügung als „unbrauchbar“ deklariert und ins Rathaus zurückgeschickt.

In einem Telefonat habe ihm die Chefin des Rechts- und Ordnungsamtes, Martina von Schaewen, daraufhin angeboten, den zunächst erlaubten Schallpegel von 45 auf 55 Dezibel zu erhöhen. Mehl: „Das ist lächerlich.“

Lesnen Sie zum Thema auch:

Fußball-Party: Leise wie eine Nähmaschine

Zweiter Sieg bei der EM: Fans feiern deutsche Elf

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Holzrichter sagte dazu im LN-Gespräch unter anderem: „Wenn nur einer mal drei Bier ordert, ist das wahrscheinlich schon zu laut.“ Wenn die Ordnungsverfügung einer landesweit gültigen Regel entspreche, wundere ihn, dass der Brauhaus-Open-Air-Sommer vom 19. Juli bis 30. August genehmigungsfähig sei. Holzrichter: „Wenn die Verwaltung einen Ermessensspielraum hat, müsste man solche Feten ermöglichen. Wenn nicht, müssen die Fans nach dem Abpfiff halt in der Kneipe weitertrinken. Davon geht die Welt auch nicht unter.“

Als „sehr schade, dass so etwas in Lüdenscheid nicht möglich ist“, bezeichnet SPD-Fraktionssprecher Ingo Diller die jüngste Entwicklung, schränkt aber ein: „Da kann ich mich nicht einmischen.“

CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling dagegen plädiert dafür, „dass zeitlich begrenzte Feiern wie die zur Europameisterschaft möglich gemacht werden“, vor allem in der Innenstadt. Fröhling sagte weiter: „Eine Reglementierung solcher Partys ist schon korrekt, aber das darf nicht so passieren, dass Aktionen für Lüdenscheider Fans im Keim erstickt werden.“ Seine Fraktion werde das Thema im Hauptausschuss ansprechen.

Fotos vom Kneipen-Gucken beim Holland-Spiel:

Deutschland Niederlande

Dass in der Kreisstadt überhaupt kein Public Viewing stattfinde, dafür hätten Verwaltungsvertreter hinter verschlossenen Türen der Polizei die Verantwortung zugeschrieben, sagte Diller. „Uns wurde gesagt, bei der Polizei säßen die Hauptbedenkenträger.“ Aus Polizeikreisen hieß es dagegen, eine „zentrale große Party“ sei besser zu überwachen als „die jetzige unklare Lage“. Dass die Polizei auf die Bremse getreten habe, bezeichnete deren Pressesprecher Dietmar Boronowski als „Quatsch“.

Ende Mai hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel die Kommunen per Erlass aufgefordert, von den bestehenden Ausnehmeregelungen im Landes-Immissionsschutzgesetz Gebrauch zu machen und (...) entsprechende Ausnahmen von der Nachtruhe zu erteilen. - Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare