Elverlingser Asche liegt auf den Straßen

Keine Angst vor giftigen Rückständen: Das Schmelzkammergranulat ist nach Angaben von Uwe Reuter „völlig ungefährlich“.

LÜDENSCHEID ▪ Die Mitarbeiter des Winterdienstes des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebs Lüdenscheid (STL) haben auf den Straßen der Bergstadt so genanntes Schmelzkammergranulat gestreut. Von Carla Witt

Die Hinterlassenschaften des Winters sind hartnäckig: Obwohl die STL-Mitarbeiter schon einen großen Teil des Splitts eingesammelt haben, knirscht es an vielen Stellen noch unter den Schuhen der Fußgänger. Die schwarzen, glasähnlichen Körnchen, die der STL bedingt durch den Salzmangel streuen musste, haben übrigens nur einen kurzen Transportweg hinter sich: Sie stammen aus dem Kraftwerk der Mark-E in Elverlingsen.

Das so genannte Schmelzkammergranulat entsteht bei der Verbrennung von Steinkohle, erklärt Uwe Reuter, Pressesprecher der Südwestfalen Energie und Wasser AG (Sewag). „Die Kohle wird zur Stromerzeugung bei 1600 Grad verbrannt“, sagt er. Dabei entstehe flüssige Asche, die in ein Wasserbad geleitet werde. „Quasi wie Lava, die ins Meer fließt“, verdeutlicht der Sewag-Sprecher. Genau wie Lava erstarrt auch die Steinkohleasche. „Und sie zerspringt zu einem Granulat mit glasartigem Charakter“, erklärt Uwe Reuter. Durch diesen Prozess würden alle Inhaltsstoffe der Asche im jeweiligen Korn eingeschlossen. „Da kommt nichts raus“, betont der Sewag-Sprecher. Zudem handele es sich lediglich um Steinkohle-Asche – hochgiftige Inhaltsstoffe seien darin nicht enthalten, tritt Reuter anders lautenden Gerüchten entgegen.

Alle Prozesse im Kraftwerk Elverlingsen würden streng durch die Behörden überwacht. „Damit das Schmelzkammergranulat überhaupt verwendet werden darf, muss eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt werden“, betont Reuter. Diese sei wiederum mit aufwändigen Prüfungsverfahren verbunden – und liege in Elverlingsen natürlich vor. „Unsere letzte Materialprüfung war im Jahr 2008“, berichtet der Sewag-Sprecher. Zudem sei Schmelzkammergranulat bereits seit Mitte der 80er-Jahre als Streumittel anerkannt.

Für Probleme sorgen die versiegelten Steinkohlerückstände – die übrigens auch im Straßen- und Sportplatzbau Verwendung finden – allerdings in den Klärwerken. Dort wirken feine Teilchen wie Schmirgel, führen zu einem höheren Maschinenverschleiß und können die Pumpen zerstören, wie Christian Weil, Betriebsgruppenleiter beim Ruhrverband Plettenberg berichtet.

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