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Elektronik-Spezialist trotzt A45-Sperrung und Gaspreis-Explosion

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Von: Olaf Moos

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Der Neubau des Unternehmens ipf an der Rosmarter Allee
7500 Quadratmeter geballte Innovation: Der Neubau des Unternehmens an der Rosmarter Allee. © Olaf Moos

Der Dachboden im Privathaus: zum Büro umgebaut. Die Doppelgarage: genutzt als Warenlager. Das war vor 40 Jahren. Die Gründung der „ipf electronic gmbh“ erinnert entfernt an die Kindertage der späteren Superstars Bill Gates und Steven Jobs im Silicon Valley. Denen standen die Lüdenscheider Wolfgang Neuhaus und Reinhard Siringhaus in Sachen Mut und Erfindergeist in nichts nach.

Lüdenscheid - Heute trotzt das Unternehmen als „Hidden Champion“ der internationalen Konkurrenz – und stemmt sich tapfer gegen Nachteile wie Brückensperrung oder explodierende Energiekosten.

Mit 140 Beschäftigten und weltweit rund 6300 Industriekunden hat sich die inhabergeführte Firma einen Namen bei all denen gemacht, die modernste Sensorik für ihre Produkte brauchen – sei es in Smartphones, Saug- oder Mährobotern, automatischen Türen oder in Airbags, Reifenventilen oder Tanks von Autos. Auch in der Industrie sind Sensoren unverzichtbar, vor allem wenn es um die Steuerung und Kontrolle von automatisierten Produktionsprozessen geht.

Christian Fiebach (52), einer von fünf ipf-Geschäftsführern, erklärt: „Wir bauen und verkaufen nicht einfach nur Sensoren. Kunden kommen mit einem Problem zu uns, und wir tüfteln, entwickeln, produzieren und liefern Lösungen.“ Hauptabnehmer sind Betriebe der metall- und kunststoffverarbeitenden Industrie, darunter die Automobilbranche.

Überall Sensorik

Sensoren von ipf sind auch im Spiel: wenn die Ampel der Wasserrutsche im Spaßbad auf Grün wechselt; wenn in der Getränkeabfüllung jeder einzelne Kronkorken auf den Flaschen dicht sitzt; wenn der Gabelstapler-Fahrer im Hochregallager sieht, wie hoch er die Last ausgefahren hat; wenn der Pharmakonzern milliliter-genau Arzneien dosiert; oder wenn die Kupplung von Hochgeschwindigkeitszügen, ob deutscher ICE oder japanischer Shinkansen, niemals versagen darf. Das alles, sagt Christian Fiebach, „ist ja keine Selbstverständlichkeit“.

Ausgebildete und langjährig erfahrene Elektroniker, zuverlässige Mitarbeiterinnen in der Fertigung, eine denkbar geringe personelle Fluktuation – das sind die Zutaten für das, was Geschäftsführer Fiebach als Grundsteine für „große Innovationskraft“, „Kundennähe“ oder „Top-Service“ betrachtet. Für Fiebach und seine Vorstandskollegen Dirk Neuhaus – Sohn des Firmengründers – sowie Bodo Hano, Detlev Rössel und Gesellschafterin Antje Wieners – Tochter des Firmengründers Neuhaus – ist klar: „Unsere Produkte sind sehr gut, aber unsere eigentlichen Stärken liegen in unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Um die motiviert „an Bord“ zu halten, hat die Unternehmensleitung in dem 2020 bezogenen 7500 Quadratmeter großen Neubau im Gewerbepark Rosmart ein komfortables Umfeld geschaffen. Dazu zählen nicht nur ergonomische Arbeitsplätze mit hochmoderner technischer Ausstattung. Auf Wunsch gibt’s Einzelbüros, außerdem gratis täglich frische Obstkörbe, bei Bedarf flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Jobrad und sogar finanzielle Zuschüsse, wenn Kinderbetreuung die Work-Life-Balance sichert oder Vorsorge und Absicherung fürs Alter nötig werden.

„Top-Company“

Da wundert es nicht, wenn Beschäftigte sich auf der unabhängigen Arbeitgeber-Bewertungsplattform „kununu“ über ipf auslassen und dafür sorgen, dass ihre Firma wiederholt das Siegel „Top-Company“ verliehen bekommen hat – und erneut als „besonders familienfreundliches Unternehmen“ zertifiziert wurde. Beim „ersten Sommerfest nach der Pandemie“, sagt Fiebach, seien 76 Firmen-Jubilare geehrt worden – für Betriebszugehörigkeit zwischen fünf und 40 Jahren.

Das nährt in der Chefetage die Hoffnung, alles richtig zu machen und für die Zukunft gerüstet zu sein. Dass die Sperrung der Autobahn bislang nur zu einer einzigen Kündigung durch eine Mitarbeiterin geführt hat, ist ein positiver Aspekt in Zeiten des Fachkräftemangels. Dass An- und Ablieferungen im Lüdenscheider Verkehrsdesaster fast ausnahmslos weiter funktionieren, ist der Tatsache zu verdanken, dass keine Riesenfrachten zu bewegen sind, sondern High-Tech-Sensoren in handliche Kartons passen. Fiebach: „Wir arbeiten eng mit dem Lieferdienst UPS zusammen.“

Bleibt die Frage der Energiekosten. „Wir können Gaskostensteigerungen teilweise intern abpuffern.“ Erhöhungen der Preise für ipf-Waren seien dennoch nicht ausgeschlossen. Doch der Neubau auf Rosmart sei „energetisch hervorragend“ und gewähre einen Niedrigenergie-Status. Großen Anteil an der Zuversicht hat die eigene Investitionsfreudigkeit. Auf dem Dach arbeitet eine 216-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage.

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